AltersvorsorgeLetztes Update: 30. Juni 2026ca. 25 Min. Lesezeit

Wie viel Geld brauche ich für die Rente? Rentenlücke berechnen und Zielkapital ermitteln

Die gesetzliche Rente ersetzt nach 45 Beitragsjahren nur rund 48% des letzten Bruttogehalts (DRV, Rentenversicherungsbericht 2024). Wie groß Ihre persönliche Rentenlücke ist, wie viel Kapital Sie benötigen und wie Sie es aufbauen — mit konkreten Zahlen und dem deutschen 3-Schichten-Modell.

Die 8 wichtigsten Erkenntnisse

  • 1.Gesetzliche Rente: ~48% des letzten Bruttogehalts nach 45 Beitragsjahren (DRV 2024) — Standardrentner.
  • 2.Rentenwert 2026: 40,79 EUR pro Entgeltpunkt (West). 45 Punkte × 40,79 EUR = 1.836 EUR brutto.
  • 3.3-Schichten-Modell: Gesetzliche Rente + bAV/Riester/Rürup + ETF-Depot privat.
  • 4.Rentenlücke = Ziel-Nettoeinkommen minus gesetzliche Nettorente minus andere Quellen.
  • 5.Zielkapital (3,5%-Regel): Jährliche Lücke ÷ 0,035. Lücke 1.000 EUR/Monat → 342.857 EUR.
  • 6.Inflation: Bei 2% p.a. über 20 Jahre verliert der Euro ~33% Kaufkraft — Kapital inflationsbereinigt planen.
  • 7.Einstieg früh entscheidend: 25 vs. 35 Jahre Startpunkt → ca. 40% weniger monatliche Sparrate nötig (bei gleicher Rendite).
  • 8.10.000–30.000 EUR Gesundheitsreserve: Ungeplante Ausgaben im Alter nicht unterschätzen.

"Wie viel brauche ich für die Rente?" ist die zentrale Frage der Altersvorsorge — und eine, die viele Deutsche zu spät stellen. Die Antwort ist weniger komplex als befürchtet, aber die Zahlen sind nüchtern: Das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ist seit Jahrzehnten rückläufig. Wer heute 45 Jahre mit Durchschnittsverdienst einzahlt, erhält rund 48% des letzten Bruttogehalts als gesetzliche Rente (Deutsche Rentenversicherung, Rentenversicherungsbericht 2024).

Die gute Nachricht: Mit dem deutschen 3-Schichten-Modell — gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge (bAV)/Riester/Rürup und privatem Kapital (ETF-Depot) — lässt sich eine solide Ruhestandsplanung aufbauen. Wer früh beginnt und systematisch spart, kann eine komfortable Rente erreichen.

Dieser Leitfaden erklärt, wie Sie Ihre persönliche Rentenlücke berechnen, das benötigte Zielkapital ermitteln und die monatliche Sparrate bestimmen — mit konkreten Rechenbeispielen für drei typische deutsche Lebensläufe.

1. Was leistet die gesetzliche Rente wirklich?

Die gesetzliche Rente in Deutschland basiert auf Entgeltpunkten. Wer ein Jahr lang exakt den Durchschnittsverdienst (2026: ca. 45.358 EUR brutto) erzielt, sammelt 1 Entgeltpunkt. Der aktuelle Rentenwert 2026 beträgt 40,79 EUR/Monat pro Entgeltpunkt (West). (Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Rentenanpassung 2026)

Bruttogehalt/MonatEntgeltpunkte/JahrRente brutto (45 Jahre)% des letzten BruttogehaltsRente netto (ca.)
2.000 EUR0,53971 EUR49%ca. 820 EUR
2.500 EUR0,661.214 EUR49%ca. 1.024 EUR
3.000 EUR0,791.452 EUR48%ca. 1.225 EUR
3.500 EUR0,931.709 EUR49%ca. 1.441 EUR
4.000 EUR1,061.952 EUR49%ca. 1.647 EUR
5.000 EUR1,322.427 EUR49%ca. 2.048 EUR
6.000 EUR1,592.907 EUR48%ca. 2.451 EUR

Rentenwert West 2026: 40,79 EUR. Netto-Näherungswert nach Abzug von KV 7,3% + Pflegeversicherung ca. 3,4% auf Rente (kein AG-Anteil für Rentner). Einkommensteuer im Rentenalter je nach Gesamteinkommen. Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Rentenversicherungsbericht 2024.

Sinkende Ersatzquote — Trend

Das Rentenniveau (gesetzliche Bruttorente ÷ Durchschnittslohn) sank von 53% (1980) auf aktuell 48% (2026). Bis 2035 prognostiziert die Deutsche Rentenversicherung bei unveränderter Politik einen weiteren Rückgang auf ca. 44–46% (DRV Rentenversicherungsbericht 2024). Das bedeutet: Wer heute 40 Jahre alt ist und für 2051 plant, sollte eher 44% als Planungsgröße verwenden.

2. Das deutsche 3-Schichten-Modell

Die deutsche Altersvorsorge ist steuerlich in drei Schichten organisiert. Jede Schicht hat unterschiedliche Förderstrukturen, steuerliche Behandlung und Flexibilität. Das Verständnis des Modells ist die Grundlage jeder Rentenplanung.

Schicht 1

Basisversorgung (Pflicht + geförderte Basis)

Produkte

Gesetzliche Rentenversicherung (GRV), Rürup-Rente (Basisrente)

Beiträge/Förderung

Beiträge: 100% absetzbar (GRV-Pflicht; Rürup bis 29.344 EUR/Jahr, § 10 EStG)

Besteuerung Leistungen

Leistungen: ab 2040 zu 100% steuerpflichtig (Rentenbesteuerungsgesetz)

Flexibilität

Sehr gering — keine Kapitalentnahme, keine Kündigung, keine Erbschaft

Schicht 2

Kapitalgedeckte Zusatzversorgung

Produkte

Betriebliche Altersvorsorge (bAV), Riester-Rente

Beiträge/Förderung

bAV: steuerfrei bis 8% BBG (7.248 EUR/Jahr); Riester: Zulagen 175 EUR + 300 EUR/Kind

Besteuerung Leistungen

Leistungen: voll einkommensteuerpflichtig im Rentenalter

Flexibilität

Gering — bei bAV keine vorzeitige Entnahme; Riester bei Kündigung Rückzahlung

Schicht 3

Private Eigenvorsorge

Produkte

ETF-Depot, Lebensversicherung (ab 60/12 halb steuerpflichtig), Immobilien

Beiträge/Förderung

Keine steuerliche Förderung auf Einzahlungen

Besteuerung Leistungen

Gewinne: Abgeltungsteuer 26,375% (25% + 5,5% Soli); Teilfreistellung 30% für Aktien-ETFs

Flexibilität

Sehr hoch — jederzeit Entnahme, Anpassung, Vererbung

3. Rentenlücke berechnen: Schritt-für-Schritt

Die Rentenlücke ist der Betrag, den Sie im Ruhestand monatlich zusätzlich zur gesetzlichen Rente benötigen, um Ihren gewünschten Lebensstandard zu halten. Sie ist der Ausgangspunkt jeder Altersvorsorge-Berechnung.

Rentenlücken-Formel

Schritt 1Gewünschtes Netto-Monatseinkommen im Ruhestandz.B. 2.500 EUR
Schritt 2Minus: Gesetzliche Nettorente (aus DRV-Auskunft)z.B. − 1.200 EUR
Schritt 3Minus: bAV-Auszahlung netto (falls vorhanden)z.B. − 200 EUR
Schritt 4Minus: Riester-Rente netto (falls vorhanden)z.B. − 150 EUR
= ErgebnisMonatliche Rentenlücke (durch ETF/privates Kapital zu decken)= 950 EUR

Praktischer Tipp: DRV-Auskunft nutzen

Die Deutsche Rentenversicherung stellt ab dem 27. Lebensjahr jährlich eine Renteninformation zu. Ab 55 gibt es alle drei Jahre eine ausführliche Rentenauskunft mit konkreter Rentenhöhe. Online: rentenversicherung.de → Mein DRV-Portal → Rentenauskunft/Renteninformation. Nutzen Sie diese als Basis für Ihre Lückenberechnung — die Zahlen berücksichtigen Ihre tatsächlichen Beitragsjahre und Entgeltpunkte.

4. Zielkapital nach der 3,5%-Regel

Die 4%-Regel (Trinity-Studie 1998, Bengen 1994) ist die bekannteste Entnahmeregel: Bei einem diversifizierten Aktienportfolio kann man jährlich 4% des Anfangswerts entnehmen und das Portfolio hält mit hoher Wahrscheinlichkeit 30 Jahre. Für Deutschland empfehlen Finanzplaner die 3,5%-Regel, weil:

  • Abgeltungsteuer 26,375% auf Gewinne bei Entnahme reduziert effektive Nettorate
  • Europäische Aktienmärkte historisch etwas geringere Renditen als US-Markt
  • Längere deutsche Lebenserwartung (Männer 79,4, Frauen 83,6 Jahre laut Statistischem Bundesamt 2023) → längerer Planungshorizont
  • Vorabpauschale (jährliche Mindestbesteuerung bei thesaurierenden ETFs) wird nicht berücksichtigt in der US-Regel
Monatliche RentenlückeJahresbedarfZielkapital (3,5%)Zielkapital (4%)
500 EUR6.000 EUR171.429 EUR150.000 EUR
750 EUR9.000 EUR257.143 EUR225.000 EUR
1.000 EUR12.000 EUR342.857 EUR300.000 EUR
1.500 EUR18.000 EUR514.286 EUR450.000 EUR
2.000 EUR24.000 EUR685.714 EUR600.000 EUR
2.500 EUR30.000 EUR857.143 EUR750.000 EUR
3.000 EUR36.000 EUR1.028.571 EUR900.000 EUR

3,5%-Regel: Zielkapital = Jahresbedarf ÷ 0,035 = Jahresbedarf × 28,57. Zielkapital ist der Depotwert zum Rentenbeginn vor Steuern auf Entnahmen. Brutto-Richtwert — individuelle Steuerplanung erforderlich.

Steuerbereinigtes Zielkapital: Praxishinweis

Die 3,5%-Regel basiert auf Brutto-Entnahmen. In der Realität fallen Abgeltungsteuer auf den Gewinnanteil der Entnahmen an. Faustregel für eine grobe Überkorrektur: Zielkapital × 1,15 für konservative Steuerplanung. Bei einem Depot, das zu 60% aus Kursgewinnen besteht:

Brutto-Entnahme (1.000 EUR/Monat)

davon ~600 EUR Gewinn

× 26,375% Steuer = 158 EUR Abgeltungsteuer

Netto: ~842 EUR

Teilfreistellung Aktien-ETFs (30%)

600 EUR Gewinn × 70% steuerpflichtig = 420 EUR

× 26,375% = 111 EUR Steuer (mit Teilfreist.)

Netto: ~889 EUR

5. Rechenbeispiele: 3 typische Szenarien

Szenario A: Berufseinsteiger, 27 Jahre, 2.800 EUR brutto

Plant Rente mit 67 in 40 Jahren. Ziel: 2.200 EUR netto/Monat im Ruhestand.

Erwartete gesetzliche Rente (40 Jahre × 0,74 EP × 40,79 EUR)1.208 EUR bruttoca. 1.019 EUR netto
Rentenlücke1.181 EUR/Monat
Zielkapital (3,5%-Regel)1.181 × 12 ÷ 0,035405.000 EUR
Monatliche ETF-Sparrate (40 Jahre, 7% p.a.)Zinseszins-Effekt großca. 155 EUR/Monat
Durch 40 Jahre Zinseszins reichen bereits 155 EUR/Monat ETF-Sparrate.

Szenario B: Mid-Career, 42 Jahre, 4.200 EUR brutto

Plant Rente mit 67 in 25 Jahren. Ziel: 3.000 EUR netto/Monat. Hat bereits 15 Jahre Beitragszeiten.

Erwartete gesetzliche Rente (45 Jahre, davon 15 schon)ca. 1.652 EUR bruttoca. 1.393 EUR netto
bAV-Anspruch (15 Jahre bAV-Beiträge, Beispiel)ca. 250 EUR/Monatca. 210 EUR netto
Rentenlücke1.397 EUR/Monat
Zielkapital (3,5%-Regel)1.397 × 12 ÷ 0,035479.000 EUR
Monatliche ETF-Sparrate (25 Jahre, 7% p.a.)Kürzere Zeitca. 530 EUR/Monat
25 statt 40 Jahre: fast 3,5× höhere monatliche Sparrate nötig für gleiches Zielkapital.

Szenario C: Spätstart, 55 Jahre, 5.500 EUR brutto

Plant Rente mit 67 in 12 Jahren. Ziel: 4.000 EUR netto/Monat. Hat bereits 300.000 EUR ETF-Depot.

Erwartete gesetzliche Rente (42 Jahre × 1,45 EP)ca. 2.484 EUR bruttoca. 2.094 EUR netto
bAV + Riester (Schätzung)ca. 350 EUR/Monatca. 295 EUR netto
Rentenlücke1.611 EUR/Monat
Zielkapital (3,5%-Regel)1.611 × 12 ÷ 0,035552.343 EUR
Vorhandenes Depot (300k bei 7% p.a. × 12 Jahre)Wächst auf ca. 674.000 EURLücke schon gedeckt
Mit 300.000 EUR ETF-Depot bei 55 und 7% p.a. ist das Zielkapital bis 67 bereits übertroffen.

Alle Szenarien sind vereinfachte Illustrationen. Rentenwert 2026: 40,79 EUR. Entgeltpunkte als Näherung. Tatsächliche Werte erfordern individuelle DRV-Auskunft. Rendite 7% p.a. entspricht historischem MSCI World-Langfristdurchschnitt — keine Garantie zukünftiger Erträge.

6. Wie viel monatlich sparen?

Die benötigte monatliche Sparrate hängt von drei Faktoren ab: Zielkapital, Restzeit bis Rentenbeginn und erwartete Rendite. Der Zinseszinseffekt macht den Startpunkt zur wichtigsten Variable.

Zielkapital30 Jahre bis Rente25 Jahre bis Rente20 Jahre bis Rente15 Jahre bis Rente
200.000 EUR195 EUR270 EUR416 EUR669 EUR
300.000 EUR293 EUR404 EUR624 EUR1.003 EUR
500.000 EUR488 EUR674 EUR1.039 EUR1.672 EUR
750.000 EUR731 EUR1.011 EUR1.559 EUR2.508 EUR
1.000.000 EUR975 EUR1.348 EUR2.079 EUR3.344 EUR

Monatliche Sparrate bei 7% p.a. Rendite (historischer MSCI World Langfristdurchschnitt). Steuern und Kosten nicht berücksichtigt. Quelle: Zinseszins-Formel PMT. Keine Garantie für zukünftige Renditen.

Die 10–15%-Faustregel

Als Orientierung gilt: 10–15% des Bruttogehalts sollten für die Altersvorsorge gespart werden (alle drei Schichten zusammen). Bei 3.500 EUR brutto: 350–525 EUR/Monat. Davon entfällt ein Teil bereits auf die Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung (9,3% AN-Anteil = 325 EUR). Für die private Vorsorge (Schicht 3) verbleiben entsprechend 25–200 EUR/Monat je nach Einkommenssituation. Bei höheren Einkommen oder spätem Start deutlich mehr nötig.

7. Inflation und Kaufkraftverlust einkalkulieren

Inflation ist der unsichtbare Feind der Rentenplanung. Bei 2% p.a. halbiert sich die Kaufkraft eines Euro in 35 Jahren. Nominale Planung ohne Inflationsbereinigung führt zu erheblichen Unterversorgungsrisiken im Ruhestand.

Jahre bis RenteKaufkraftverlust bei 2% p.a.Was 1.000 EUR heute kauft (Zukunft)Zielkapital inflationsbereinigt (+)
10 Jahre18,3%817 EUR Kaufkraft+22%
20 Jahre32,8%673 EUR Kaufkraft+49%
30 Jahre45,0%552 EUR Kaufkraft+81%
40 Jahre55,1%453 EUR Kaufkraft+121%

Basierend auf Bundesbank-Inflationsziel 2% p.a. (ECB-Ziel). Tatsächliche Inflation variiert. Quelle: Deutsche Bundesbank, Inflationsbericht 2025.

Praktische Konsequenz

Wer heute bei 37 Jahren plant, mit 67 in Rente zu gehen und 3.000 EUR/Monat (heutige Kaufkraft) benötigt, muss nominal für ca. 5.400 EUR/Monat planen (3.000 EUR × Inflationsfaktor für 30 Jahre bei 2% p.a. ≈ 1,81). Das Zielkapital erhöht sich entsprechend.

Alternativer Ansatz: In realen (inflationsbereinigten) Größen planen und die Anlagerendite als Realrendite (ca. 5% p.a. = 7% nominal − 2% Inflation) verwenden. Beide Methoden führen zum gleichen Ergebnis bei konsistenter Anwendung.

8. Kosten im Ruhestand: Was braucht man wirklich?

Laut Statistischem Bundesamt (Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023) geben Rentner-Haushalte im Durchschnitt 2.430 EUR/Monat aus. Die Ausgabenstruktur unterscheidet sich deutlich von der Erwerbsphase.

AusgabenkategorieAnteil (Rentner-Haushalt)Ø Betrag/MonatTrend im Alter
Wohnen (Miete/Nebenkosten)31%752 EURStabil / leicht steigend
Lebensmittel & Getränke17%413 EURStabil
Gesundheit & Pflege12%292 EURStark steigend
Verkehr & Mobilität10%243 EURSinkend nach 75
Freizeit, Kultur, Hobby9%219 EURHoch 65–75, dann sinkend
Kleidung & Schuhe5%122 EURDeutlich sinkend
Kommunikation & Medien4%97 EURStabil
Sonstiges (Versicherungen, etc.)12%292 EURVariabel

Quelle: Statistisches Bundesamt, Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023. Durchschnittswerte aller Rentner-Haushalte. Eigentümer ohne Mietkosten: deutlich niedrigere Gesamtausgaben.

Gesundheitsreserve

10.000–30.000 EUR

Ungeplante Gesundheitsausgaben: Hörgeräte, Zahnersatz, Hilfsmittel. Nicht von GKV vollständig gedeckt.

Pflegevorsorge

50.000–200.000 EUR

Pflegekosten: 2.500–4.000 EUR/Monat Eigenanteil im Heim. Private Pflegezusatzversicherung oder Rücklage.

Liquiditätspuffer

3–6 Monatsausgaben

Notfallrücklage auf Tagesgeld für unerwartete Ausgaben — auch im Ruhestand unverzichtbar.

9. Häufige Fehler bei der Rentenplanung

Inflationsbereinigung vergessen

Kritisch

Wer nominale Zielbeträge ohne Inflationsanpassung plant, unterschätzt den realen Kapitalbedarf erheblich. Bei 30 Jahren und 2% Inflation fehlen im Zielkapital fast 80%.

Nur auf gesetzliche Rente verlassen

Kritisch

Die gesetzliche Rente deckt ~48% des letzten Bruttogehalts. Wer keinen zusätzlichen Aufbau betreibt, riskiert erhebliche Einkommenseinbußen im Ruhestand.

Zu spät anfangen

Hoch

Wer mit 45 statt 25 beginnt: braucht für gleiches Zielkapital bei 7% p.a. etwa 3,5× die monatliche Sparrate. Jedes Jahr Verzögerung erhöht die Belastung überproportional.

Pflegekosten ignorieren

Hoch

Pflegestufe 3 im Heim kostet im Schnitt 2.800 EUR/Monat Eigenanteil (nach Pflegeversicherung). Wer keine separate Rücklage hat, gefährdet das gesamte Rentenkapital.

Depot-Rendite zu optimistisch ansetzen

Mittel

Manche kalkulieren mit 10% p.a. statt realistischen 7% für einen global diversifizierten ETF. 3 Prozentpunkte Unterschied halbieren bei 30 Jahren das Endkapital fast.

Riester-Förderung trotz Eignung nicht nutzen

Mittel

Familien mit Kindern (ab 2008 geboren: 300 EUR/Kind/Jahr Zulage) und Pflichtversicherte lassen oft erhebliche staatliche Förderung liegen, weil Riester zu kompliziert erscheint.

10. Glossar: Rentenplanung Deutschland

Rentenwert: Monatsbetrag in EUR, den ein Entgeltpunkt in Rente ergibt. 2026 (West): 40,79 EUR. Wird jährlich angepasst (§ 68 SGB VI).
Entgeltpunkte: Rentenpunkte für ein Beitragsjahr. 1 EP = Durchschnittsverdienst des Jahres (2026: ca. 45.358 EUR brutto). Mehr verdient = mehr als 1 EP; weniger verdient = weniger.
Rentenniveau: Verhältnis der Standardrente (45 EP) zum Durchschnittslohn. 2026: ~48% brutto (Regelsicherungsniveau § 154 SGB VI).
3-Schichten-Modell: Deutsche steuerliche Systematik der Altersvorsorge: Schicht 1 (GRV/Rürup), Schicht 2 (bAV/Riester), Schicht 3 (ETF/privat).
3,5%-Regel: DE-angepasste Entnahmeregel: Depot hält 30+ Jahre, wenn jährlich max. 3,5% entnommen werden. Zielkapital = Jahresausgaben × 28,57.
Rentenlücke: Differenz zwischen gewünschtem Ruhestandseinkommen und der zu erwartenden gesetzlichen (+ sonstigen) Rente.
Versorgungsniveau: Anteil der Rente am letzten Nettoarbeitsentgelt — netto-Sicht, im Unterschied zum Bruttorentenniveau.
Vorabpauschale: Jährliche Mindestbesteuerung für thesaurierende ETFs (§ 18 InvStG). Basiszins 2025: 2,53% (BMF). Wirkt auf Depot-Gesamtrendite.
Pflegezusatzversicherung: Private Absicherung für Eigenanteile bei Pflegebedürftigkeit. Pflege-Bahr: staatlich geförderter Tarif (5 EUR/Monat staatlicher Zuschuss).
Riester-Rente: Staatlich geförderte kapitalgedeckte Altersvorsorge (§§ 10a, 79ff. EStG). Grundzulage 175 EUR/Jahr + 300 EUR/Kind (ab 2008 geboren) + Berufseinsteiger-Bonus.

11. Häufige Fragen zur Rentenplanung

Wie viel Rente bekomme ich von der gesetzlichen Rentenversicherung?

Die gesetzliche Rente ersetzt nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst rund 48% des letzten Bruttogehalts (DRV Rentenversicherungsbericht 2024). Konkret: Bei 3.500 EUR Bruttogehalt/Monat und 45 Entgeltpunkten wären das 45 × 40,79 EUR = 1.836 EUR brutto/Monat. Nach Abzug von Kranken- (7,3%) und Pflegeversicherungsbeiträgen verbleiben ca. 1.440–1.550 EUR netto. Einkommensteuer im Rentenalter je nach Gesamteinkommen.

Was ist die Rentenlücke und wie berechne ich sie?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Ihrem gewünschten Nettoeinkommen im Ruhestand und der zu erwartenden gesetzlichen Rente (netto) sowie weiteren Rentenquellen (bAV, Riester, Rürup). Formel: Rentenlücke = Ziel-Nettoeinkommen − Gesetzliche Nettorente − bAV-Nettoleistung − Riester/Rürup-Nettoleistung. Die Rentenlücke müssen Sie durch privates Kapital (ETF-Depot, Immobilienerträge) schließen.

Wie viel Kapital brauche ich für die Rente?

Zielkapital-Formel nach der 3,5%-Regel (für Deutschland empfohlen): Monatliche Rentenlücke × 12 ÷ 0,035 = Zielkapital. Beispiel: Rentenlücke 1.200 EUR/Monat = 14.400 EUR/Jahr ÷ 0,035 = 411.429 EUR. Die 3,5%-Regel berücksichtigt Abgeltungsteuer und europäische Marktbedingungen. Für Planungshorizonte über 30 Jahre empfehlen Finanzplaner einen konservativen Puffer von 10–15% auf das Zielkapital.

Was ist das 3-Schichten-Modell der deutschen Altersvorsorge?

Das 3-Schichten-Modell ist die steuerliche Systematik: Schicht 1 (Basisversorgung) umfasst gesetzliche Rente und Rürup-Rente mit 100% Sonderausgabenabzug und voller Rentensteuerpflicht ab 2040. Schicht 2 (Zusatzversorgung) enthält bAV und Riester mit staatlicher Förderung/Steuerfreiheit bei Beitragszahlung und Steuerpflicht bei Auszahlung. Schicht 3 (Privatvorsorge) sind ETF-Depot und Lebensversicherung ohne Einzahlungsförderung, aber nur Abgeltungsteuer auf Gewinne.

Wie viel sollte ich monatlich für die Rente sparen?

Faustregel: 10–15% des Bruttogehalts für Altersvorsorge (alle drei Schichten). Davon ist der gesetzliche Rentenbeitrag (9,3% AN-Anteil) bereits Teil. Für echten Vermögensaufbau sind 100–500 EUR/Monat in einen breiten Aktien-ETF-Sparplan sinnvoll — je nach Alter, Rentenlücke und Zielkapital. Früher starten ist entscheidend: Mit 25 vs. 35 Jahren brauchen Sie bei gleichen Zielen ca. 40% weniger monatlich zu sparen.

Was kostet der Ruhestand in Deutschland wirklich?

Laut Statistischem Bundesamt (EVS 2023) geben Rentner-Haushalte durchschnittlich ca. 2.430 EUR/Monat aus. Eigentümer ohne Miete kommen oft mit 1.700–2.100 EUR aus. Wichtig: Gesundheitsausgaben steigen im Alter deutlich (ca. 12% des Haushaltsbudgets im Schnitt). Empfehlung: 10.000–30.000 EUR Gesundheitsreserve zusätzlich zum Rentenkapital, plus separate Rücklage für Pflegekosten (potenzielle Eigenanteile 2.500–4.000 EUR/Monat im Pflegeheim).

Wie wirkt sich Inflation auf mein Rentenkapital aus?

Bei 2% Inflation p.a. verliert der Euro in 20 Jahren ca. 33% Kaufkraft, in 30 Jahren ca. 45%. Wer heute 3.000 EUR/Monat (heutige Kaufkraft) für die Rente in 30 Jahren plant, muss nominal 5.430 EUR/Monat anpeilen (3.000 × 1,81). Das Zielkapital erhöht sich entsprechend. Aktien-ETFs bieten langfristig historisch reale Renditen von ca. 5% p.a. (7% nominal − 2% Inflation) und damit wirksamen Inflationsschutz.

Sollte ich auf Riester-Rente oder ETF-Depot setzen?

Für Familien mit Kindern (ab 2008 geboren: 300 EUR/Kind Zulage + 175 EUR Grundzulage) und niedrigere Einkommen kann Riester durch staatliche Zulagen attraktiv sein. Für Gut- und Besserverdiener ohne Kinder ist ein ETF-Depot in der Regel effizienter: maximale Flexibilität, kein Versicherungsmantel mit Kosten, Abgeltungsteuer 26,375% auf Gewinne (günstiger als volle Einkommensteuer auf Riester-Leistungen). Eine kombinierte Strategie — Riester für Förderung nutzen, Rest in ETF — ist für viele optimal.

Offizielle Quellen und weiterführende Links

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Quellen und Referenzen

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