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Handelsbilanz: zwei Länder, zwei Reihen, keine Bewertung

Über Handelsüberschüsse und Handelsdefizite wird fast nur wertend geschrieben. Was sich stattdessen auszählen lässt, ist bemerkenswert eindeutig: Der amerikanische Saldo aus Waren und Dienstleistungen ist in allen 414 Monaten seit Januar 1992 negativ — kein einziger Monat mit Überschuss. Der deutsche Außenbeitrag war in nur 13 von 141 Quartalen negativ, und der letzte dieser Fälle liegt im vierten Quartal 2000. Diese Seite zeigt beide Reihen vollständig und bewertet keine von beiden.

Zwei Salden, eine Bezugsgröße, eine geschlossene Quelle

Was gerechnet wurde. Für Deutschland wurden aus den Quartalswerten der Ausfuhren und Einfuhren von Waren und Dienstleistungen — saison- und kalenderbereinigt, in jeweiligen Preisen — der Saldo, sein Anteil am nominalen Bruttoinlandsprodukt und die Jahressummen gebildet. Für die Vereinigten Staaten wurde der monatliche Saldo aus Waren und Dienstleistungen ausgezählt. Alles am 13. August 2026 abgerufen.

Was nicht enthalten ist. Keine Zahl aus der deutschen Außenhandelsstatistik: Die Programmierschnittstelle des Statistischen Bundesamts lieferte ohne Registrierung keine Tabelle. Keine Aufteilung nach Ländern, Warengruppen oder Dienstleistungsarten. Keine Leistungsbilanz — sie enthält zusätzlich Einkommen und Übertragungen und ist damit eine andere Größe.

Was diese Seite nicht ist. Keine Bewertung, ob ein Überschuss oder ein Defizit wünschenswert ist, keine handelspolitische Aussage, keine Prognose und keine Anlageempfehlung.

Zuerst: welcher Saldo eigentlich gemeint ist

Es gibt nicht eine Handelsbilanz, sondern mehrere ineinander geschachtelte Salden, und sie ergeben verschiedene Zahlen. Der engste ist der Warenhandel: nur Güter, die die Grenze überschreiten. Der nächste umfasst Waren und Dienstleistungen — und Dienstleistungen können den Saldo eines Landes erheblich verschieben. Der weiteste ist die Leistungsbilanz, die zusätzlich Einkommen aus Arbeit und Vermögen sowie laufende Übertragungen enthält.

Diese Seite arbeitet durchgehend mit der mittleren Fassung: Ausfuhren minus Einfuhren von Waren und Dienstleistungen, so wie sie in den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen erscheint. Der Grund ist praktisch: Diese Größe liegt für beide Länder frei und in vergleichbarer Abgrenzung vor, und sie ist zugleich der Posten, der unmittelbar in das Bruttoinlandsprodukt eingeht. Wer eine Zahl aus einer anderen Abgrenzung danebenlegt, erhält einen anderen Wert — und das ist kein Widerspruch, sondern eine andere Frage.

Die Auszählung, für beide Länder

KennzahlWertEinzelheit
Deutschland: Quartale in der Reihe1411. Quartal 1991 bis 1. Quartal 2026
Deutschland: Quartale mit negativem Saldo139,2 Prozent; der letzte im 4. Quartal 2000
Deutschland: höchster Anteil am BIP7,75 %2. Quartal 2015
Deutschland: niedrigster Anteil am BIP−1,21 %2. Quartal 1991
Deutschland: Anteil im 1. Quartal 20262,74 %31.818 von 1.159.773 Mio. Euro
Vereinigte Staaten: Monate in der Reihe414Januar 1992 bis Juni 2026
Vereinigte Staaten: Monate mit Überschuss0kein einziger
Vereinigte Staaten: größter Fehlbetrag132.983 Mio. USDMärz 2025

Die Zeile mit der Null ist die bemerkenswerteste der Tabelle. In 414 aufeinanderfolgenden Monaten — das sind mehr als vierunddreißig Jahre — hat der amerikanische Saldo aus Waren und Dienstleistungen kein einziges Mal ein positives Vorzeichen getragen. Der kleinste Fehlbetrag der ganzen Reihe stammt aus dem Februar 1992 und beträgt 831 Millionen US-Dollar; er kommt einem Ausgleich nahe, aber er erreicht ihn nicht. Es handelt sich also nicht um eine überwiegende Tendenz, sondern um eine ausnahmslose.

Die deutsche Reihe ist beinahe das Gegenstück: 13 negative Quartale von 141, und der jüngste davon liegt im vierten Quartal 2000. Seither ist der Außenbeitrag in über hundert aufeinanderfolgenden Quartalen positiv geblieben. Die Größenordnung schwankt allerdings erheblich: von 7,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal 2015 auf 2,74 Prozent im ersten Quartal 2026, also auf etwas mehr als ein Drittel.

Jahressummen, beide Länder

Quartals- und Monatswerte schwanken; die Jahressummen zeigen den Verlauf deutlicher. Links Deutschland in Milliarden Euro, rechts die Vereinigten Staaten in Milliarden US-Dollar. Die beiden Spalten stehen nebeneinander, werden aber nicht in eine gemeinsame Währung umgerechnet.

JahrDeutschland, Mrd. €
2016230,0
2017232,8
2018203,3
2019200,3
2020181,4
2021185,7
202296,0
2023167,7
2024164,4
2025108,4
JahrUSA, Mrd. $
2020−637,1
2021−827,1
2022−902,9
2023−749,6
2024−885,5
2025−932,0

In der deutschen Spalte fällt das Jahr 2022 auf: 96,0 Milliarden Euro gegenüber 185,7 im Vorjahr und 167,7 im Folgejahr. Es ist der niedrigste der zehn ausgewiesenen Jahreswerte und zugleich der einzige unter hundert Milliarden. Der Saldo hat sich also innerhalb eines Jahres annähernd halbiert und im Jahr darauf wieder erholt. Was diese Bewegung verursacht hat, sagt die Reihe nicht: Ein Saldo ist eine Differenz, und dieselbe Differenz kann von der Ausfuhr- oder von der Einfuhrseite kommen.

Deshalb steht hier neben dem Saldo auch die Ausfuhrquote. Im ersten Quartal 2026 betrugen die Ausfuhren 465.737 Millionen Euro bei einem nominalen Bruttoinlandsprodukt von 1.159.773 Millionen — 40,2 Prozent. Diese Quote ist die aussagekräftigere Größe für die Frage, wie eng eine Volkswirtschaft mit dem Ausland verflochten ist, denn sie hängt nicht davon ab, ob Ausfuhren und Einfuhren sich gerade gegenseitig aufheben. Sie hat allerdings ihre eigene Grenze: In den Ausfuhren stecken zuvor eingeführte Vorleistungen, und diese Rechnung trennt sie nicht heraus.

Die längere amerikanische Reihe: 1947 bis heute

Die Monatsreihe beginnt erst 1992. In den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen gibt es dieselbe Größe jedoch als Quartalsreihe ab dem ersten Quartal 1947 — 318 Werte, in Milliarden US-Dollar und auf das Jahr hochgerechnet. Sie zeigt, dass der Fehlbetrag kein Naturzustand ist, sondern eine Epoche mit einem Anfangsdatum.

Von den 318 Quartalen sind 97 positiv, also fast jedes dritte. Sie liegen jedoch fast vollständig am Anfang der Reihe: Das letzte Quartal mit einem Überschuss ist das dritte Quartal 1980 mit 5,471 Milliarden US-Dollar. Seither, in rund fünfundvierzig Jahren, gab es keinen einzigen positiven Wert mehr. Der tiefste Wert der ganzen Reihe stammt aus dem ersten Quartal 2025 mit −1.264,604 Milliarden; im zweiten Quartal 2026 lag er bei −869,026 Milliarden.

Diese Quartalsreihe und die weiter oben ausgezählte Monatsreihe widersprechen sich nicht — sie ergänzen sich. Die Monatsreihe zeigt, dass seit Januar 1992 kein einziger Monat positiv war; die Quartalsreihe zeigt, dass der Wendepunkt bereits elf Jahre früher lag. Wer nur die kürzere Reihe betrachtet, sieht eine ununterbrochene Regel; wer die längere heranzieht, sieht, dass diese Regel einen Beginn hat. Warum sie ihn hat, steht in keiner der beiden Reihen, und diese Seite bietet keine Erklärung an.

Zu beachten ist ein Unterschied in der Darstellung, der leicht zu Verwechslungen führt: Die Monatsreihe nennt den Saldo des jeweiligen Monats in Millionen, die Quartalsreihe einen auf das Jahr hochgerechneten Wert in Milliarden. Ein Monatswert von 73.261 Millionen und ein Quartalswert von 869,026 Milliarden beschreiben deshalb ähnliche Größenordnungen und sind trotzdem nicht dieselbe Zahl. Beim Vergleich zweier Quellen ist die Frage nach der Hochrechnung genauso wichtig wie die nach der Abgrenzung.

Die dreizehn negativen deutschen Quartale

Die vier jüngsten davon sind das dritte und vierte Quartal 1994 sowie das dritte und vierte Quartal 2000. Danach folgt keines mehr: Von 2001 bis zum ersten Quartal 2026 weist die Reihe in jedem einzelnen Quartal einen positiven Außenbeitrag aus, also in mehr als hundert aufeinanderfolgenden Quartalen. Alle dreizehn negativen Werte liegen damit in den ersten zehn Jahren der Reihe.

Diese Verteilung ist für die Lesart wichtig. Eine Aussage der Form «der deutsche Außenbeitrag ist in neun Prozent der Quartale negativ» klingt nach einer laufenden Möglichkeit; tatsächlich beschreibt sie einen abgeschlossenen Abschnitt am Anfang der Reihe. Wer die Wahrscheinlichkeit eines negativen Quartals aus dem Gesamtanteil ableitet, überträgt eine Eigenschaft der frühen Neunzigerjahre auf die Gegenwart — und dieser Bereich tut das ausdrücklich nicht.

Was diese Quellen nicht sagen

Wie Sie das selbst nachprüfen

  1. Rufen Sie bei Eurostat für Deutschland die Quartalswerte der Ausfuhren und der Einfuhren in jeweiligen Preisen ab, saison- und kalenderbereinigt. Es müssen je 141 Werte sein.
  2. Bilden Sie die Differenz. Für das erste Quartal 2026 muss 465.737 minus 433.919 gleich 31.818 Millionen Euro herauskommen.
  3. Teilen Sie diesen Wert durch das nominale Bruttoinlandsprodukt desselben Quartals: 31.818 geteilt durch 1.159.773 ergibt 2,74 Prozent.
  4. Zählen Sie die Quartale mit negativem Saldo. Es müssen 13 sein, das letzte im vierten Quartal 2000.
  5. Laden Sie BOPGSTB bei der Federal Reserve Bank of St. Louis. Zählen Sie die Monate mit positivem Wert: Es dürfen keine sein.
  6. Suchen Sie den kleinsten Fehlbetrag. Er muss im Februar 1992 bei 831 Millionen US-Dollar liegen.
  7. Bilden Sie für beide Länder die Jahressummen und vergleichen Sie sie mit den Tabellen oben.

Wohin es von hier weitergeht

Für diese Seite geöffnete Quellen

Alle Reihen wurden am 13. August 2026 abgerufen und an diesem Tag ausgewertet. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.

Änderungsverzeichnis

Häufige Fragen

Was ist die Handelsbilanz?

Der Saldo aus Ausfuhren und Einfuhren. Wichtig ist, welche Größen darin enthalten sind: Der reine Warenhandel ergibt eine andere Zahl als Waren und Dienstleistungen zusammen, und die Leistungsbilanz enthält zusätzlich Einkommen und laufende Übertragungen. Diese Seite arbeitet mit dem Außenbeitrag aus den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen — also Ausfuhren minus Einfuhren von Waren und Dienstleistungen — und sagt das bei jeder Zahl dazu.

Wie hoch ist der deutsche Außenbeitrag?

Im ersten Quartal 2026 betrugen die Ausfuhren 465.737 Millionen Euro und die Einfuhren 433.919 Millionen, saison- und kalenderbereinigt in jeweiligen Preisen. Der Saldo beträgt damit 31.818 Millionen Euro, was 2,74 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts desselben Quartals entspricht. Der höchste Anteil der ganzen Reihe wurde im zweiten Quartal 2015 mit 7,75 Prozent erreicht.

Wie oft war der deutsche Saldo negativ?

In 13 von 141 Quartalen zwischen dem ersten Quartal 1991 und dem ersten Quartal 2026, also in 9,2 Prozent der Fälle. Der letzte negative Wert liegt im vierten Quartal 2000. Seither, also in mehr als fünfundzwanzig Jahren, hat kein einziges Quartal einen negativen Außenbeitrag ausgewiesen. Der niedrigste Anteil der Reihe liegt bei −1,21 Prozent im zweiten Quartal 1991.

Und in den Vereinigten Staaten?

Dort ist das Bild spiegelbildlich und noch eindeutiger. Der monatliche Saldo aus Waren und Dienstleistungen liegt für 414 Monate von Januar 1992 bis Juni 2026 vor, und er ist in allen 414 Monaten negativ — es gibt keinen einzigen Monat mit einem Überschuss. Der kleinste Fehlbetrag beträgt 831 Millionen US-Dollar im Februar 1992, der größte 132.983 Millionen im März 2025. Im Juni 2026 lag er bei 73.261 Millionen.

Wie groß sind die Jahreswerte?

Für Deutschland, als Summe der vier Quartale: 230,0 Milliarden Euro im Jahr 2016, 203,3 im Jahr 2018, 181,4 im Jahr 2020, 96,0 im Jahr 2022, 167,7 im Jahr 2023, 164,4 im Jahr 2024 und 108,4 im Jahr 2025. Für die Vereinigten Staaten, als Summe der zwölf Monate: −637,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020, −902,9 im Jahr 2022, −749,6 im Jahr 2023, −885,5 im Jahr 2024 und −932,0 im Jahr 2025.

Ist ein Überschuss gut und ein Defizit schlecht?

Diese Seite bewertet nicht, und zwar aus einem sachlichen Grund: Der Saldo ist eine Differenz, und dieselbe Differenz kann aus sehr verschiedenen Bewegungen entstehen. Der deutsche Anteil fiel von 7,75 Prozent im zweiten Quartal 2015 auf 2,74 Prozent im ersten Quartal 2026 — ob durch schwächere Ausfuhren, stärkere Einfuhren oder beides, sagt der Saldo selbst nicht. Ohne die beiden Einzelgrößen ist jede Bewertung eine Vermutung.

Wie stark hängt Deutschland vom Außenhandel ab?

Ein Maß dafür ist die Ausfuhrquote: die Ausfuhren im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Im ersten Quartal 2026 betrugen die Ausfuhren 465.737 Millionen Euro bei einem nominalen Bruttoinlandsprodukt von 1.159.773 Millionen — also 40,2 Prozent. Diese Quote misst nicht, wie viel Wertschöpfung im Land bleibt: In den Ausfuhren stecken auch zuvor eingeführte Vorleistungen, und die Trennung nimmt diese Rechnung nicht vor.

Warum steht hier keine Zahl aus der Außenhandelsstatistik?

Weil die Abfrageschnittstelle der amtlichen deutschen Außenhandelsstatistik für diese Seite nicht zugänglich war: Der Zugang zur Datenbank des Statistischen Bundesamts über die Programmierschnittstelle erfordert eine Registrierung und lieferte am 13. August 2026 ohne Zugangsdaten keine Tabelle. Diese Seite arbeitet deshalb mit dem Außenbeitrag aus den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen bei Eurostat, der frei zugänglich ist, und weist den Unterschied zur Außenhandelsstatistik ausdrücklich aus.

Vextor Capital ist kein Anlage- und kein Steuerberater, vertritt keine handelspolitische Position und erhält kein Entgelt von Unternehmen, Verbänden oder Datenanbietern.

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