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Dollar und Schwellenländer: was zwei Indizes gemeinsam haben

«Ein starker Dollar belastet die Schwellenländer» ist eine der meistwiederholten Aussagen der Makroökonomie, und ein Teil davon lässt sich unmittelbar messen. Die Federal Reserve veröffentlicht zwei Dollarindizes über exakt denselben Zeitraum: einen breiten und einen, der nur die Währungen von Schwellen- und Entwicklungsländern enthält. Über 5.164 gemeinsame Handelstagebeträgt die Korrelation ihrer täglichen Veränderungen 0,84. Diese Seite zeigt, was das heißt — und was es ausdrücklich nicht heißt.

Zwei Indizes, fünf Kursreihen, kein Mechanismus

Was gerechnet wurde. Beide Dollarindizes wurden auf Länge, Höchst- und Tiefstwert mit Datum sowie den letzten Stand ausgewertet. Aus den täglichen prozentualen Veränderungen beider Reihen über dieselben 5.164 Tage wurde die Korrelation gebildet. Für vier Währungen wurde die Kursveränderung zwischen dem 3. Januar 2006 und dem 7. August 2026 berechnet. Alles am 13. August 2026 abgerufen.

Was nicht enthalten ist. Keine Aussage über die Ursache: weder Auslandsschulden in Dollar noch Kapitalflüsse noch Rohstoffpreise wurden hier gemessen. Keine Renditen von Anlagen in Schwellenländern — dafür wären Kursindizes nötig, deren Wiedergabe die Anbieter beschränken. Keine Zusammensetzung der Indexgewichte, die die Notenbank jährlich anpasst.

Was diese Seite nicht ist. Keine Anlageberatung, keine Empfehlung zu Schwellenländern und keine Wechselkursprognose. Vextor Capital hält keine Währungspositionen und erhält kein Entgelt von Datenanbietern.

Was ein handelsgewichteter Index ist

Ein einzelner Wechselkurs sagt nichts darüber, ob «der Dollar» stark ist: Er kann gegenüber einer Währung steigen und gegenüber einer anderen fallen. Ein handelsgewichteter Index löst das, indem er viele Kurse zu einem Durchschnitt zusammenfasst und dabei jede Währung nach dem Handelsvolumen gewichtet. Die Federal Reserve veröffentlicht mehrere solche Indizes; die beiden hier verwendeten unterscheiden sich allein im Kreis der einbezogenen Währungen.

Zwei Eigenschaften dieser Konstruktion sind für das Lesen der Zahlen wichtig. Erstens ist ein Indexwert wie 119,0649 keine Größe mit eigener Bedeutung, sondern nur im Vergleich zu einem anderen Wert derselben Reihe lesbar — der Bezugspunkt ist gesetzt, nicht gemessen. Zweitens werden die Gewichte fortgeschrieben: Der Index von heute und der von 2006 gewichten nicht dieselben Währungen gleich. Ein Vergleich über zwanzig Jahre vergleicht daher zwei nicht ganz identische Rechenwerke.

Die beiden Indizes, ausgezählt

IndexUmfangHöchstwertTiefstwertLetzter Wert
Breiter Index5.164 Tage130,0413 am 13.01.202585,4692 am 26.07.2011119,0649 am 07.08.2026
Index Schwellen- und Entwicklungsländer5.164 Tage139,9892 am 09.04.202589,1519 am 25.07.2008127,5866 am 07.08.2026

Die beiden Höchstwerte liegen zeitlich nahe beieinander — Januar und April 2025 —, die beiden Tiefstwerte dagegen fast drei Jahre auseinander: Juli 2011 gegenüber Juli 2008. Der Abstand zwischen Höchst- und Tiefstwert beträgt beim breiten Index 52,1 Prozent, beim Index der Schwellen- und Entwicklungsländer 57,0 Prozent. Über zwanzig Jahre bewegt sich also auch ein handelsgewichteter Durchschnitt um mehr als die Hälfte — eine Größenordnung, die man selten neben Aussagen über Währungsrisiko liest.

Die Korrelation und was sie bedeutet

Weil beide Reihen exakt dieselben 5.164 Handelstage abdecken, lassen sich ihre täglichen prozentualen Veränderungen ohne jede Anpassung nebeneinanderlegen. Die Korrelation dieser Veränderungen beträgt 0,84.

Diese eine Zahl trägt zwei Aussagen, und beide sind wichtig. Die erste: Der überwiegende Teil der Bewegung ist gemeinsam. Wenn der Index der Schwellenländerwährungen an einem Tag fällt, fällt meist auch der breite Index — das legt nahe, dass sich in erster Linie der Dollar bewegt und nicht die einzelne Währung. Die zweite: Es bleibt ein erheblicher Rest. Eine Korrelation von 0,84 heißt, dass ein Teil der Bewegungen des einen Index sich im anderen nicht wiederfindet. Wer den breiten Index als Ersatz für den anderen benutzt, verliert genau diesen Teil.

Und eine dritte Sache sagt die Zahl nicht: welcher Index den anderen bewegt. Eine Korrelation ist symmetrisch und enthält keine Richtung. Aus ihr folgt weder, dass ein starker Dollar Schwellenländerwährungen schwächt, noch das Gegenteil. Beides sind Behauptungen über einen Mechanismus, und in den geöffneten Dateien steht kein Mechanismus.

Vier Währungen über zwanzig Jahre

Einzelne Kurse zeigen die Größenordnung deutlicher als ein Index. Alle Werte in Einheiten der jeweiligen Währung je US-Dollar, am 3. Januar 2006 und am 7. August 2026; die letzte Spalte gibt an, um wie viel mehr Einheiten am Ende für einen Dollar zu zahlen waren.

Währung3. Januar 20067. August 2026Veränderung
Brasilianischer Real2,3325,0882+118,2 %
Indische Rupie44,9295,21+112,0 %
Mexikanischer Peso10,64317,1357+61,0 %
Südkoreanischer Won1.002,91.409,94+40,6 %

Der Abstand innerhalb dieser vier Zeilen ist fast so groß wie der Unterschied zu einer Industrieländerwährung: 40,6 Prozent beim Won gegenüber 118,2 Prozent beim Real, also ein Faktor von fast drei. «Schwellenländerwährungen» ist demnach keine einheitliche Gruppe, und ein Index über sie verdeckt genau diesen Unterschied.

Zum Vergleich der Euro, der nicht dazugehört: Der Kurs, den die Federal Reserve ausweist, lag am 4. Januar 1999 bei 1,1812 US-Dollar und am 7. August 2026 bei 1,1559. Nach mehr als siebenundzwanzig Jahren sind das 2,1 Prozent weniger. In der Hälfte dieser Zeit haben die vier oben genannten Währungen zwischen 40,6 und 118,2 Prozent gegenüber dem Dollar verloren. Das ist der Größenunterschied, um den es bei diesem Thema geht.

Eine Warnung zur Lesart dieser Prozentzahlen: Sie sind Kursveränderungen, nicht Ergebnisse. Wer über diesen Zeitraum in einem dieser Länder angelegt hätte, hätte zusätzlich die Wertentwicklung des Vermögenswerts, die dortigen Zinsen und die Kosten zu berücksichtigen — Größen, die auf dieser Seite nicht vorkommen. Eine Abwertung um 118,2 Prozent bedeutet daher nicht einen Verlust von 118,2 Prozent.

Wie viel sich an einem Tag bewegt

Über die 5.163 Tagesveränderungen des breiten Index gab es 2.547 Anstiege und 2.616 Rückgänge; die Standardabweichung der Tagesveränderungen beträgt 0,342 Prozent. Beim Index der Schwellen- und Entwicklungsländer sind es 2.472 Anstiege, 2.690 Rückgänge, ein unveränderter Tag und eine Standardabweichung von 0,320 Prozent — weniger als beim breiten Index, was der Erwartung widerspricht, Schwellenländerwährungen bewegten sich stärker. Der Grund liegt in der Konstruktion: Ein Index über viele Währungen glättet, und einige der einbezogenen Kurse werden von ihren Notenbanken eng geführt.

Tage mit einer Veränderung von mehr als einem Prozent sind selten: 62 beim breiten Index und 66 beim anderen, also jeweils rund 1,2 Prozent aller Tage. Die größten Einzelbewegungen fallen bei beiden in Krisenzeiten: Der stärkste Anstieg des breiten Index beträgt 1,91 Prozent am 22. September 2011, der stärkste Rückgang 2,53 Prozent am 19. März 2009. Beim Index der Schwellen- und Entwicklungsländer liegen beide Rekorde im selben Monat: ein Anstieg um 2,98 Prozent am 8. Oktober 2008 und ein Rückgang um 2,26 Prozent am 14. Oktober 2008 — sechs Handelstage später.

Sechs Jahre, jeweils tiefster und höchster Stand

JahrBreiter IndexSchwellen- und Entwicklungsländer
200885,9 – 103,689,2 – 106,1
201185,5 – 93,290,7 – 99,3
2020111,2 – 126,1121,6 – 137,3
2022114,2 – 128,5122,9 – 134,6
2025119,1 – 130,0130,1 – 140,0
2026 bis 7. August117,4 – 121,4127,1 – 131,3

Die Jahresspannen zeigen, wie irreführend ein einzelner Stichtag sein kann. Im Jahr 2020 reichte der breite Index von 111,2 bis 126,1 — eine Spanne von 13,4 Prozent innerhalb eines Kalenderjahres. Wer zwei Jahre anhand ihrer Jahresendstände vergleicht, vergleicht zwei Punkte aus zwei solchen Spannen. Und die beiden Spalten bewegen sich nicht im Gleichschritt: Im Jahr 2026 lag die Spanne des breiten Index bei 4,0 Indexpunkten, die des anderen bei 4,2 — ein Jahr mit vergleichsweise geringer Bewegung in beiden.

An 929 Tagen gingen die beiden auseinander

Die Korrelation von 0,84 lässt sich auch ohne Statistik ausdrücken, und zwar als Abzählung. Von den 5.163 gemeinsamen Tagesveränderungen bewegten sich die beiden Indizes an 929 Tagen in entgegengesetzte Richtungen — an 18,0 Prozent aller Tage stieg der eine, während der andere fiel. An den übrigen 82,0 Prozent zeigten sie in dieselbe Richtung, wenn auch nicht gleich stark.

Diese Zahl ist anschaulicher als eine Korrelation, weil sie ohne Annahmen auskommt: Sie zählt Vorzeichen und nichts weiter. Und sie ordnet die Ausgangsbehauptung ein. «Der Dollar bewegt die Schwellenländerwährungen» beschreibt vier von fünf Handelstagen zutreffend; an jedem fünften trifft das Gegenteil zu. Wer eine Position auf diesem Zusammenhang aufbaut, baut sie auf einer Regel mit einer Ausnahmequote von fast einem Fünftel — und diese Seite leitet daraus ausdrücklich keine Position ab.

Was diese Quellen nicht sagen

Wie Sie das selbst nachprüfen

  1. Laden Sie DTWEXBGS und DTWEXEMEGS bei der Federal Reserve Bank of St. Louis. Beide müssen 5.164 Werte haben, beginnend am 2. Januar 2006.
  2. Suchen Sie in beiden Höchst- und Tiefstwert mit Datum und vergleichen Sie sie mit der Tabelle oben.
  3. Bilden Sie in beiden Reihen die täglichen prozentualen Veränderungen und berechnen Sie deren Korrelation. Es müssen 0,84 herauskommen.
  4. Laden Sie DEXBZUS und teilen Sie 5,0882 durch 2,332. Es muss 2,182 herauskommen, also eine Zunahme um 118,2 Prozent.
  5. Wiederholen Sie das für Rupie, Peso und Won und ordnen Sie die vier Ergebnisse nach Größe.
  6. Laden Sie DEXUSEU und teilen Sie 1,1559 durch 1,1812. Es muss 0,9786 herauskommen.

Wohin es von hier weitergeht

Für diese Seite geöffnete Quellen

Alle Reihen wurden am 13. August 2026 abgerufen und an diesem Tag nachgerechnet. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.

Änderungsverzeichnis

Häufige Fragen

Was ist ein Dollarindex?

Ein gewichteter Durchschnitt des Werts des US-Dollars gegenüber mehreren Währungen. Das Board of Governors der Federal Reserve berechnet mehrere davon: einen breiten, der die Währungen der wichtigsten Handelspartner umfasst, und Teilindizes, etwa einen für die Währungen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Gewichte richten sich nach dem Handelsvolumen; ein Index ist damit kein handelbarer Preis, sondern eine Rechengröße.

Wie stark hat sich der Dollar bewegt?

Der breite Index umfasst 5.164 Handelstage vom 2. Januar 2006 bis zum 7. August 2026. Sein Höchstwert liegt bei 130,0413 am 13. Januar 2025, sein Tiefstwert bei 85,4692 am 26. Juli 2011; zwischen beiden liegen 52,1 Prozent. Am 7. August 2026 stand er bei 119,0649. Der Index für Schwellen- und Entwicklungsländer erreichte im selben Zeitraum 139,9892 am 9. April 2025 und 89,1519 am 25. Juli 2008 und stand zuletzt bei 127,5866.

Bewegen sich die beiden Indizes gleich?

Weitgehend, aber nicht identisch. Über dieselben 5.164 Tage beträgt die Korrelation der täglichen Veränderungen beider Indizes 0,84. Das bedeutet zweierlei: Ein großer Teil der Bewegung ist gemeinsam — es ist überwiegend der Dollar, der sich bewegt, nicht die einzelne Schwellenländerwährung —, und zugleich bleibt ein erheblicher Rest, der nur den einen Index betrifft. Wer den breiten Index als Näherung für den anderen benutzt, macht in einem von sechs Bewegungsanteilen einen Fehler.

Wie stark haben einzelne Währungen abgewertet?

Gemessen an den Tageskursen der Federal Reserve vom 3. Januar 2006 bis zum 7. August 2026: Der mexikanische Peso ging von 10,643 auf 17,1357 je Dollar, was einer Abwertung um 61,0 Prozent entspricht; der brasilianische Real von 2,332 auf 5,0882, also um 118,2 Prozent; die indische Rupie von 44,92 auf 95,21, also um 112,0 Prozent; der südkoreanische Won von 1.002,9 auf 1.409,94, also um 40,6 Prozent. Es handelt sich um Kursveränderungen, nicht um Renditen.

Und der Euro?

Er gehört nicht zu den Schwellenländerwährungen, und die Gegenüberstellung zeigt die Größenordnung. Der Kurs, den die Federal Reserve für den Euro ausweist, lag am 4. Januar 1999 bei 1,1812 US-Dollar und am 7. August 2026 bei 1,1559 — nach mehr als siebenundzwanzig Jahren also 2,1 Prozent tiefer. Vier Schwellenländerwährungen verloren im halb so langen Zeitraum zwischen 40,6 und 118,2 Prozent.

Warum ist der Dollarkurs für Schwellenländer wichtig?

Diese Seite behauptet dazu keinen Mechanismus, weil in den geöffneten Reihen keiner steht. Was sie zeigt, sind zwei Beobachtungen: Die beiden Dollarindizes bewegen sich stark gemeinsam, und die vier betrachteten Währungen haben über zwanzig Jahre erheblich an Wert gegenüber dem Dollar verloren. Aussagen über Auslandsschulden in Dollar, Kapitalflüsse oder Rohstoffpreise erfordern weitere Daten, die hier nicht ausgewertet wurden.

Sind das handelbare Kurse?

Nein. Die Federal Reserve veröffentlicht Referenzkurse, die zu einem bestimmten Zeitpunkt am Tag festgestellt werden. Sie haben keinen Geld- und keinen Briefkurs, enthalten keine Kosten und sagen nichts darüber, welche Menge zu ihnen gehandelt wurde. Wer die Zahlen dieser Seite auf eine tatsächliche Umrechnung anwendet, erhält ein anderes Ergebnis.

Enthält diese Seite eine Anlageaussage zu Schwellenländern?

Nein. Keine Empfehlung, keine Prognose zu Wechselkursen und keine Aussage darüber, ob Anlagen in Schwellenländern sinnvoll sind. Eine Abwertung einer Währung ist außerdem nicht gleichbedeutend mit einem Verlust einer Anlage: Was ein Anleger in Euro erhalten hätte, hinge zusätzlich von der Wertentwicklung des Vermögenswerts, von Zinsen und von Kosten ab, und keine dieser Größen steht auf dieser Seite.

Vextor Capital ist kein Wertpapierdienstleistungsunternehmen und kein Anlageberater, hält keine Währungspositionen und erhält kein Entgelt von Brokern, Handelsplattformen oder Datenanbietern.

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