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Makrogrößen und Vermögensaufteilung: was sich davon wirklich rechnen lässt

Seiten über Vermögensaufteilung enden fast immer mit Quoten — so viel Prozent hierhin, so viel dorthin. Diese hier endet nicht so, und der Grund ist nachprüfbar: Die Renditereihen, die man für eine belastbare Aufteilung bräuchte, dürfen nicht wiedergegeben werden. Was frei und vollständig vorliegt, sind die makroökonomischen Eingangsgrößen. Die wichtigste davon ist die Realrendite — und die war in Deutschland in 120 von 348 Monaten seit 1997 negativ.

Drei Rechnungen, fünf Eingangsgrößen, keine Quote

Was gerechnet wurde. Aus der Tagesreihe der zehnjährigen Bundrendite wurden Monatsmittel gebildet und um die Jahresrate des deutschen Verbraucherpreisindex desselben Monats vermindert; dieselbe Rechnung wurde für die Vereinigten Staaten über 879 Monate ab April 1953 angestellt. Zusätzlich wurde die Kaufkraft eines unverzinsten Betrags aus vier Ausgangsmonaten bestimmt. Alles am 13. August 2026 abgerufen.

Was nicht enthalten ist. Keine Aktienrenditen, keine Fondsergebnisse, keine Musterportfolios, keine Quoten und keine Rückrechnung einer Strategie. Die dafür nötigen Indexreihen unterliegen Wiedergabeverboten oder waren nicht abrufbar. Ebenso wenig Steuern, Kosten, Anlagehorizonte oder persönliche Umstände.

Was diese Seite nicht ist. Keine Anlageberatung, keine Empfehlung und keine Prognose. Vextor Capital verwaltet kein Vermögen, verkauft keine Produkte und erhält kein Entgelt von Anbietern.

Die Realrendite, in zwei Ländern ausgezählt

Die Rechnung ist eine Subtraktion: Rendite minus Teuerung. Sie ist eine Näherung — genau wäre eine Division —, und bei den hier vorkommenden Größenordnungen liegt der Unterschied im Bereich von Hundertstelprozentpunkten. Was sie beantwortet, ist die einzige Frage, die für einen Sparer zählt: ob die Anlage die Kaufkraft hält.

LandUmfangMedianHöchstwertTiefstwertNegative MonateZuletzt
Deutschland348 Monate ab August 19970,69 %4,69 % (Oktober 1999)−6,77 % (September 2022)120 (34,5 %)0,37 % (Juli 2026)
Vereinigte Staaten879 Monate ab April 19532,05 %9,39 % (August 1983)−6,44 % (März 2022)132 (15,0 %)1,06 % (Juli 2026)

Zwei Beobachtungen springen ins Auge. Erstens ist der deutsche Median mit 0,69 Prozent nur ein Drittel des amerikanischen von 2,05 Prozent — allerdings über einen ganz anderen Zeitraum: Die deutsche Reihe beginnt 1997, die amerikanische 1953, und die frühen Jahrzehnte der amerikanischen Reihe enthalten Phasen mit deutlich höheren Realrenditen, etwa die 9,39 Prozent vom August 1983. Ein Vergleich zweier Mediane über verschiedene Zeiträume ist kein Ländervergleich.

Zweitens liegen die beiden Tiefstwerte nur sechs Monate auseinander — März 2022 in den Vereinigten Staaten mit −6,44 Prozent und September 2022 in Deutschland mit −6,77 Prozent — und sie sind fast gleich groß. In diesen Monaten lag die Rendite einer als sicher geltenden zehnjährigen Staatsanleihe fast sieben Prozentpunkte unter der laufenden Teuerungsrate. Das ist der ganze Inhalt des Satzes, dass sichere Anlagen zeitweise Kaufkraft kosten: Er ist keine Meinung, sondern eine Differenz aus zwei öffentlichen Reihen.

Die Häufigkeit ist ebenfalls verschieden: 34,5 Prozent negative Monate in Deutschland gegenüber 15,0 Prozent in den Vereinigten Staaten. Auch hier gilt die Zeitraumeinschränkung — die deutsche Reihe umfasst überproportional viele Jahre mit sehr niedrigen Nominalzinsen, darunter die 802 Handelstage mit negativer Bundrendite zwischen Juni 2016 und März 2022.

Was ein unverzinster Betrag verliert

Die zweite frei rechenbare Größe braucht überhaupt keine Rendite: Sie folgt allein aus dem Preisindex. Der Index mit Basis 2020 stand im Juli 2026 bei 125,6. Teilt man ihn durch den Stand eines früheren Monats, erhält man den Faktor, um den die Preise gestiegen sind; der Kehrwert, angewandt auf einen Betrag, ergibt dessen Kaufkraft in Preisen des Ausgangsmonats.

AusgangsmonatPreisfaktor bis Juli 2026Kaufkraft von 10.000 €Verlust
Januar 19912,07604.816,88 €51,8 %
Januar 20001,67245.979,30 €40,2 %
Januar 20151,34917.412,42 €25,9 %
Januar 20211,24368.041,40 €19,6 %

Diese Tabelle ist die eigentliche Bezugsgröße jeder Überlegung zur Aufteilung. Sie sagt nicht, was zu tun wäre — aber sie beziffert, wogegen jede Alternative sich behaupten müsste: 19,6 Prozent in fünfeinhalb Jahren, 40,2 Prozent in gut sechsundzwanzig. Und sie enthält eine eigene Einschränkung: Der Index gewichtet einen statistischen Warenkorb, den kein einzelner Haushalt genau so kauft.

Die fünf Eingangsgrößen, die frei verfügbar sind

GrößeHerausgeberWas sie beantwortet
Realrendite zehnjähriger BundeswertpapiereBundesbank und Statistisches Bundesamtwas eine als sicher geltende Anlage nach Teuerung bietet
VerbraucherpreisindexStatistisches Bundesamt über die Bundesbankwie schnell ein unverzinster Betrag Kaufkraft verliert
Zinsstrukturkurve des EuroraumsEuropäische Zentralbankwie sich das Angebot nach Laufzeit unterscheidet
Leitzinsen des EurosystemsEuropäische Zentralbankwas am kurzen Ende zu erwarten ist, mit 60 Änderungen seit 1999
Risikoaufschlag von UnternehmensanleihenFederal Reserve Bank of St. Louiswie viel mehr für ein Ausfallrisiko gezahlt wird

Was in dieser Tabelle fehlt, ist ebenso wichtig wie das, was darin steht: Es gibt keine Zeile für Aktien, keine für Immobilien und keine für Rohstoffe. Nicht weil diese Anlageklassen unwichtig wären, sondern weil für sie keine frei wiedergebbare, lange und amtliche Renditereihe existiert. Eine Aufteilungsempfehlung, die alle vier Klassen gegeneinander abwägt, braucht für alle vier Zahlen — und wer nur für zwei davon eine Quelle hat, hat für die anderen beiden geraten.

Deshalb endet diese Seite nicht mit Prozentsätzen. Sie endet mit der Feststellung, welche Größen ein Leser selbst nachrechnen kann und welche nicht: Die Kosten des Nichtstuns lassen sich exakt beziffern; die Erträge des Handelns nicht. Das ist eine unbequeme Asymmetrie, aber sie ist das ehrliche Ergebnis der verfügbaren Quellen — und wesentlich nützlicher als eine Quote, deren Herkunft niemand prüfen kann.

Der Bruch liegt zwischen zwei Jahrzehnten

Ein Median über neunundzwanzig Jahre verdeckt, dass die deutsche Realrendite nicht geschwankt, sondern das Vorzeichen gewechselt hat. Dieselbe Reihe, nach Zeitabschnitten getrennt:

ZeitraumBeobachtungenMedianNegative Monate
August 1997 bis Dezember 199929 Monate3,92 %0 (0,0 %)
2000 bis 2009120 Monate2,72 %0 (0,0 %)
2010 bis 2019120 Monate−0,14 %72 (60,0 %)
2020 bis Juli 202679 Monate−1,00 %48 (60,8 %)

Die Tabelle zeigt keine Schwankung, sondern eine Trennlinie. In den ersten 149 Monaten der Reihe — von August 1997 bis Ende 2009 — gab es keinen einzigen Monat mit negativer Realrendite, bei einem Median von 2,72 bis 3,92 Prozent. In den 199 Monaten danach war sie in 120 Fällen negativ, und der Median liegt in beiden Abschnitten unter null. Alle 120 negativen Monate der Gesamtreihe stammen aus der Zeit ab 2010. Ein Hinweis zur Genauigkeit: Der September 2020 liegt so knapp unter null, dass er auf zwei Nachkommastellen als −0,00 erscheint; ohne Rundung wären es 121 negative Monate. Diese Seite zählt auf zwei Nachkommastellen und weist den Grenzfall aus, statt ihn zu verschweigen.

Für einen Leser hat das eine unmittelbare Folge, die über die Zahlen hinausgeht: Wer eine Aussage über «die übliche Realrendite» hört, sollte fragen, aus welchem der beiden Abschnitte sie stammt. Ein Median von 0,69 Prozent über die ganze Reihe beschreibt weder die eine noch die andere Epoche — er ist der Mittelwert zwischen einer Welt mit drei Prozent und einer mit minus einem. Und die Anschlussfrage, welche der beiden Epochen die Gegenwart besser beschreibt, beantwortet keine dieser Reihen; sie ist eine Frage über die Zukunft, und diese Seite stellt keine Prognosen an.

Höchste Teuerung und höchste Realrendite liegen drei Jahre auseinander

Ein Detail der amerikanischen Reihe verdient Aufmerksamkeit, weil es einer verbreiteten Erwartung widerspricht. Die höchste Jahresrate der amerikanischen Verbraucherpreise seit 1948 wurde im März 1980 mit 14,59 Prozent gemessen. Die höchste Realrendite derselben Rechnung — 9,39 Prozent — fällt jedoch in den August 1983, also mehr als drei Jahre später.

Der Grund steckt in der Konstruktion der Größe: Die Realrendite ist hoch, wenn die Nominalrendite hoch und die Teuerung bereits gefallen ist. Im Höhepunkt der Teuerung ist sie deshalb typischerweise niedrig oder negativ, und erst danach dreht sie ins Positive. Für einen Sparer bedeutet das, dass die Frage «wie hoch ist die Teuerung» und die Frage «was bleibt von meiner Anlage übrig» zwei verschiedene Zeitpunkte betreffen können — im amerikanischen Fall lagen zwischen ihnen 41 Monate.

Was diese Quellen nicht sagen

Wie Sie das selbst nachprüfen

  1. Laden Sie die zehnjährige Bundrendite als Tagesreihe bei der Bundesbank und bilden Sie Monatsmittel.
  2. Laden Sie den deutschen Verbraucherpreisindex und bilden Sie für jeden Monat die Jahresrate.
  3. Ziehen Sie die Jahresrate von der Rendite ab. Es müssen 348 gemeinsame Monate ab August 1997 entstehen, mit einem Median von 0,69 Prozent.
  4. Zählen Sie die negativen Monate: 120. Suchen Sie den Tiefstwert; er muss im September 2022 bei −6,77 Prozent liegen.
  5. Wiederholen Sie alles mit GS10 und CPIAUCSL. Es müssen 879 Monate, ein Median von 2,05 Prozent und 132 negative Monate herauskommen.
  6. Teilen Sie 125,6 durch 101,0. Es muss 1,2436 herauskommen; 10.000 geteilt durch diesen Faktor ergibt 8.041,40 Euro.
  7. Suchen Sie eine frei wiedergebbare, mindestens zwanzig Jahre lange Renditereihe für einen Aktienmarkt. Notieren Sie, was Sie finden — und was in den Nutzungsbedingungen steht.

Wohin es von hier weitergeht

Für diese Seite geöffnete Quellen

Alle Reihen wurden am 13. August 2026 abgerufen und an diesem Tag nachgerechnet. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.

Änderungsverzeichnis

Häufige Fragen

Was ist eine Realrendite?

Die Nominalrendite abzüglich der Teuerung. Sie beantwortet die Frage, ob eine Anlage die Kaufkraft erhält, und nicht nur die, ob ihr Betrag wächst. Auf dieser Seite wird sie als einfache Differenz gebildet: die monatlich gemittelte Rendite zehnjähriger Bundeswertpapiere minus die Jahresrate des deutschen Verbraucherpreisindex desselben Monats. Das ist eine Näherung; die exakte Rechnung teilt statt zu subtrahieren, und der Unterschied ist bei diesen Größenordnungen klein.

Wie hoch war die deutsche Realrendite?

Über 348 gemeinsame Monate von August 1997 bis Juli 2026 beträgt ihr Median 0,69 Prozent. Der Höchstwert liegt bei 4,69 Prozent im Oktober 1999, der Tiefstwert bei −6,77 Prozent im September 2022. Im Juli 2026 lag sie bei 0,37 Prozent. In 120 dieser 348 Monate war sie negativ, also in 34,5 Prozent der Fälle: In jedem dritten Monat lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe unter der Teuerungsrate.

Wie sieht es in den Vereinigten Staaten aus?

Dieselbe Rechnung mit der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe und dem Verbraucherpreisindex ergibt über 879 Monate von April 1953 bis Juli 2026 einen Median von 2,05 Prozent, einen Höchstwert von 9,39 Prozent im August 1983 und einen Tiefstwert von −6,44 Prozent im März 2022. Negativ war sie in 132 von 879 Monaten, also in 15,0 Prozent — weniger als halb so oft wie in der deutschen Reihe, allerdings über einen fast dreimal so langen Zeitraum.

Was bedeutet das für Bargeld?

Es lässt sich unmittelbar am Preisindex ablesen. Der deutsche Verbraucherpreisindex mit Basis 2020 stand im Januar 2021 bei 101,0 und im Juli 2026 bei 125,6, ein Verhältnis von 1,2436. Ein unverzinst gehaltener Betrag von 10.000 Euro könnte im Juli 2026 also Waren im Wert von 8.041,40 Euro zu Preisen von Januar 2021 kaufen — ein Kaufkraftverlust von 19,6 Prozent in fünfeinhalb Jahren. Für den Ausgangsmonat Januar 2000 beträgt derselbe Verlust 40,2 Prozent.

Warum stehen hier keine Renditen von Aktien oder Fonds?

Weil die dafür nötigen Indexreihen lizenziert sind und nicht wiedergegeben werden dürfen. Die Seite der bekanntesten amerikanischen Indexreihe bei der Federal Reserve Bank of St. Louis trägt ausdrücklich den Vermerk, dass die Wiedergabe in jeder Form ohne vorherige schriftliche Erlaubnis untersagt ist; die Abfrage einer Reihe zum deutschen Leitindex bei der Bundesbank antwortete am 13. August 2026 mit dem Fehlercode 404. Eine Aufteilungsempfehlung ohne diese Zahlen wäre eine Behauptung ohne Grundlage — und diese Seite gibt keine ab.

Was kann eine Makrogröße für eine Vermögensaufteilung überhaupt leisten?

Sie liefert Eingangsgrößen, keine Entscheidung. Aus der Realrendite lässt sich ablesen, was eine sichere Anlage nach Teuerung derzeit bietet; aus dem Preisindex, wie schnell Kaufkraft verloren geht; aus der Zinskurve, wie sich diese Angebote nach Laufzeit unterscheiden. Was daraus folgt, hängt von Anlagehorizont, Verpflichtungen, Steuerlage und Risikotragfähigkeit ab — Größen, die keine Makroreihe enthält.

Ist eine negative Realrendite ein Verlust?

Sie bedeutet einen Verlust an Kaufkraft, nicht notwendig einen Verlust an Betrag. Wer im September 2022 eine zehnjährige Bundesanleihe zur damaligen Rendite kaufte, erhielt einen positiven Nominalzins; die Teuerungsrate desselben Monats lag jedoch 6,77 Prozentpunkte darüber. Ob die Realrendite über die gesamte Laufzeit negativ bleibt, hängt von der künftigen Teuerung ab, und dazu sagt diese Seite nichts.

Enthält diese Seite eine Empfehlung zur Aufteilung?

Nein. Keine Quoten, keine Musterportfolios, keine Aussage darüber, welcher Anteil in welche Anlageklasse gehört, und keine Prognose zu Zinsen oder Preisen. Sie zeigt drei nachrechenbare Größen und benennt ausdrücklich, welche Zahlen für eine Aufteilungsempfehlung fehlen würden.

Vextor Capital ist kein Anlage- und kein Steuerberater, kein Vermögensverwalter und kein Finanzvermittler, verwaltet kein Kundenvermögen und erhält kein Entgelt von Produktanbietern.

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