Makro Asset Allokation: Wie deutsche Investoren den Konjunkturzyklus für ihr Portfolio nutzen
Die besten Portfolios reagieren nicht auf den Markt — sie antizipieren ihn. Makro Asset Allokation nutzt den Konjunkturzyklus, den ifo Geschäftsklimaindex und die EZB-Politik, um sich zu positionieren, bevor der Markt sich bewegt.
8 zentrale Erkenntnisse
- 1.Makro Asset Allokation nutzt Konjunkturzyklen als Kompass — keine Kursprognosen.
- 2.DAX ist der exportlastigste große Index: 60–70 % der Umsätze außerhalb Deutschlands.
- 3.Bundesanleihen sind der Safe-Haven-Anker der Eurozone — global einzigartiger Status.
- 4.ifo Geschäftsklimaindex läuft dem Konjunkturverlauf 3–6 Monate voraus: Frühsignal für Rotation.
- 5.EZB-Politik für Deutschland asymmetrisch: Deutsche Wirtschaft strukturell anders als Südeuropa.
- 6.Kurzarbeit als Stabilitätsfaktor: dämpft Rezessionsimpact auf Unternehmensgewinne im DAX.
- 7.China-Abhängigkeit des DAX (VW, BMW, BASF) als strukturelles Risiko — ifo Exportbarometer.
- 8.Technologielücke: DAX hat kaum Tech-Giganten — S&P 500 für Tech-Exposure unverzichtbar.
1. Was ist Makro Asset Allokation?
Makro Asset Allokation ist der Investmentansatz, der die Verteilung eines Portfolios über verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Liquidität, Währungen) auf Basis von makroökonomischen Analysen bestimmt. Im Unterschied zur Fundamentalanalyse einzelner Unternehmen oder zur technischen Analyse von Kurscharts fragt der Makro-Ansatz: "In welcher Phase des Konjunkturzyklus befinden wir uns, und welche Asset-Klassen performen in dieser Phase am besten?"
Der konzeptionelle Rahmen geht auf Ray Dalio (Bridgewater Associates) zurück, der die Wirtschaft als "Maschine" mit zwei Antriebsmotoren beschreibt: dem kurzfristigen Kreditszyklus (5–8 Jahre) und dem langfristigen Kreditszyklus (75–100 Jahre). Sein All Weather Portfolio versucht, in allen vier makroökonomischen Szenarien — hohes/niedriges Wachstum, hohe/niedrige Inflation — positive Renditen zu erzielen.
Für einen deutschen Investor ist der Ausgangspunkt spezifisch: Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der Eurozone, aber strukturell sehr exportabhängig — was den DAX anfälliger für globale Konjunkturschwankungen macht als Indizes mit stärkerem Binnenmarktfokus. Gleichzeitig ist der Bund-Future der globale Benchmark für risikolose Anleiherenditen in Europa.
2. Konjunkturzyklus und Asset-Klassen
Der Konjunkturzyklus durchläuft vier Phasen: Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung (Rezession) und Trough (Tiefpunkt). Jede Phase hat eine andere optimale Kombination von Anlageklassen, basierend auf den Reaktionen von Wachstum und Inflation.
Asset-Klassen nach Konjunkturphase (deutsches Portfolio)
| Phase | Merkmale | Bevorzugte Assets | Zu reduzierende Assets |
|---|---|---|---|
| Aufschwung | BIP wächst, Exporte steigen, ifo aufwärts | Zyklische DAX-Werte: Automobil, Chemie, Industrie | Bundesanleihen lang, Gold, Liquidität |
| Hochkonjunktur | Inflation steigt, EZB erhöht Zinsen, EUR stark | Rohstoffe, Energie, Kurzläufer Bunds, TIPS | Bunds lang (Duration-Risiko), Growth-Aktien |
| Abschwung | BIP negativ, Exporte fallen, ifo abwärts | Bunds (Safe Haven), Gold, Versorger E.ON/RWE | Zyklische DAX-Werte, Rohstoffe |
| Trough/Erholung | EZB senkt Zinsen, globale Nachfrage dreht | Bunds mittel, DAX Zykliker, Industrierohstoffe | Reine Liquidität, Bunds (zu teuer) |
Quelle: Elaborierung Vextor Capital auf Basis ifo Institut, Bundesbank, EZB. Nur zu Bildungszwecken.
3. DAX: Besonderheiten aus Makro-Sicht
Der DAX 40 ist mit Abstand der exportlastigste unter den großen westlichen Aktienindizes. Seine 40 Mitglieder — von denen die 30 ursprünglichen Kern-DAX-Werte die Indexcharakteristik dominieren — erzielen typischerweise 60–70 % ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands. Dies macht den DAX zu einem Proxy des globalen Konjunkturzyklus, nicht des deutschen Binnenmarkts.
DAX-Sektorzusammensetzung und makroökonomische Sensitivität (2024)
| Sektor | Gewicht | Wichtige Unternehmen | Zyklizität |
|---|---|---|---|
| Industrie/Automobil | ~28 % | VW, BMW, Mercedes, Siemens, Infineon | Sehr zyklisch, China-abhängig |
| Chemie/Materialien | ~10 % | BASF, Covestro, Lanxess | Sehr zyklisch, Energie-sensitiv |
| Finanzen/Versicherungen | ~18 % | Allianz, Deutsche Bank, Munich Re | Mäßig zyklisch, zinssensitiv |
| Gesundheit/Pharma | ~15 % | Bayer, Fresenius, Sartorius | Defensiv |
| Versorger/Energie | ~8 % | E.ON, RWE | Defensiv, reguliert |
| Technologie/Telekommunikation | ~11 % | SAP, Deutsche Telekom | Mäßig zyklisch (SAP: Wachstum) |
| Konsumgüter/Einzelhandel | ~10 % | Mercedes (Luxus), Zalando, Beiersdorf | Gemischt |
Quelle: Deutsche Börse DAX-Regelwerk, Unternehmensberichte 2024. Gewichte approximativ.
Die China-Abhängigkeit ist die kritischste makroökonomische Risikovariable im DAX: Volkswagen erwirtschaftet über 30 % seiner globalen PKW-Absätze in China. BASF hat für die chinesische Produktion Milliarden in ein integriertes Verbundwerk in Zhanjiang investiert. Eine chinesische Wachstumsabkühlung — selbst von 5 % auf 3 % — trifft den DAX strukturell stärker als den S&P 500 oder den EuroStoxx 50. Das ifo Institut publiziert das ifo Exportbarometer monatlich als Frühindikator für diese Risiken.
4. Bundesanleihen als Safe-Haven-Anker der Eurozone
Bundesanleihen (Bunds) nehmen im globalen Finanzsystem eine einzigartige Stellung ein: Sie sind der risikolose Zinsbenchmark der Eurozone — das Äquivalent zu US-Treasuries im amerikanischen System. Kein anderes europäisches Staatsanleihenprodukt bietet die Kombination aus AAA-Kreditrating (bei allen großen Ratingagenturen), Liquidität des größten Anleihemarkts der Eurozone und dem Status als Fluchtwährungsasset bei europäischen Finanzkrisen.
In der Euro-Schuldenkrise 2011–2012 liefen Investoren aus Peripherieanleihen (Italien, Spanien, Griechenland, Portugal) in Bunds — die Bundesanleiherenditen sanken zeitweise unter null, während das Kapital in Sicherheit flüchtete. Dieses Phänomen wiederholte sich in abgeschwächter Form in jeder europäischen Risikoaversion-Episode. Für deutsche Anleger bedeutet das: Bunds sind in Portfolios weniger ein Renditeinstrument als ein Risikosteuerungsinstrument — sie sichern in Krisenzeiten ab, auch wenn die absolute Rendite bescheiden ist.
Der Bund-Future (FGBL) ist das meistgehandelte Zinsderivat der Welt — ein Zeichen für die globale Bedeutung des deutschen Anleihemarkts. Institutionelle Investoren weltweit nutzen Bund-Futures zur Steuerung der Zins-Duration — was die Bundesanleiherendite zu einem globalen Preis- und Stimmungsindikator macht. Quelle: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Deutsche Börse Eurex.
5. ifo Geschäftsklimaindex als Allokationssignal
Der ifo Geschäftsklimaindex ist Deutschlands wichtigster Konjunkturfrühindikator. Er erscheint monatlich, basiert auf Befragungen von rund 9.000 Unternehmen und misst zwei Dimensionen: die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Die Kombination beider Komponenten ergibt den Gesamtindex.
Für die Asset Allokation ist besonders die Erwartungskomponente relevant: Sie läuft dem tatsächlichen Konjunkturverlauf historisch etwa 3–6 Monate voraus. Ein steigender ifo-Erwartungsindex nach einem Tief ist empirisch eines der zuverlässigsten Kaufsignale für zyklische DAX-Werte (Automobil, Chemie) und ein gleichzeitiges Signal, die Übergewichtung von Bundesanleihen zu reduzieren.
ifo Geschäftsklimaindex: Allokationssignale
| Signal | ifo-Entwicklung | Portfolio-Reaktion |
|---|---|---|
| Kaufsignal Zykliker | Erwartungen drehen nach oben nach ≥3 Monaten Rückgang | Automobil, Chemie, Industrie aufbauen |
| Kaufsignal Bunds | Index fällt unter 95 und Lage < Erwartungen | Bunds mittlere Laufzeit aufbauen |
| Verkaufssignal Bunds | Starker Anstieg über 105 nach Erholung | Duration reduzieren, Rohstoffe aufbauen |
| Warnsignal | Lage hoch, Erwartungen fallen (Divergenz) | Beginn Defensiv-Rotation einleiten |
Quelle: ifo Institut für Wirtschaftsforschung (ifo.de). Erscheint monatlich um den 25. des Monats.
Kombiniert mit dem ZEW-Index (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) — der die Erwartungen von Finanzmarktanalysten misst — ergibt sich ein robustes Frühwarnsystem. ZEW erscheint etwas früher im Monat (zweiter Dienstag) und reagiert schneller auf Markterwartungen, während ifo die breitere Unternehmensrealität abbildet. Beide zusammen sind das wichtigste deutschsprachige Makro-Monitoring-Werkzeug für die Asset Allokation.
6. EZB-Geldpolitik und deutsche Besonderheiten
Die Europäische Zentralbank ist der bestimmende Faktor für alle Anleihemärkte der Eurozone und indirekt für die Bewertungen aller europäischen Aktien (Diskontierungsrate). Für Deutschland ergibt sich dabei eine strukturelle Spannung: Die deutsche Wirtschaft ist konjunkturell oft in einer anderen Phase als der Eurozonendurchschnitt.
Der Negativzins-Zyklus der EZB (2016–2022, mit Leitzins bis zu -0,50 %) war für die deutschen Sparer besonders schmerzhaft: Als stärkstes Sparerland Europas (hohe Sparquote, traditionelle Präferenz für Festgelder und Bundesanleihen) litten deutsche Haushalte unverhältnismäßig stark unter den negativen Renditen. Gleichzeitig profitierte die exportorientierte Industrie von einem strukturell schwächeren Euro.
Der EZB-Zinssenkungszyklus ab 2024 wirkt für Deutschland strukturell anders als für Südeuropa: Deutschland hat keine übermäßige Staatsverschuldung (Schuldenquote ca. 62 % des BIP, Destatis 2024), die von niedrigen Zinsen profitieren würde. Niedrige EZB-Zinsen helfen primär Ländern mit hohem Verschuldungsgrad — für Deutschland ist die Hauptwirkung die Förderung von Exporten durch einen schwächeren Euro. Die Bundesbank publiziert regelmäßig Analysen zu den Auswirkungen der EZB-Politik auf die deutsche Wirtschaft.
7. Sektorrotation im DAX
Sektorrotation ist die systematische Verschiebung der Portfoliogewichtung zwischen Sektoren in Abhängigkeit von der Konjunkturphase. Im DAX hat die Sektorrotation spezifische Charakteristiken, die von der deutschen Wirtschaftsstruktur geprägt sind.
Automobil und Chemie: die Konjunktur-Proxy
Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und BASF sind die klassischen Zykliker des DAX. Ihre Gewinne korrelieren eng mit dem globalen Industrie-PMI und der chinesischen Wachstumsrate. Bei steigendem ifo-Erwartungsindex und positivem globalem PMI: übergewichten. Bei fallendem ifo und negativem globalen Trade-Daten: untergewichten zugunsten von Defensives. Besonderheit: hoher Kapitalintensitätsbedarf — in Abschwüngen hohe Fixkosten, begrenzte Flexibilität trotz Kurzarbeit.
Versicherungen: Zinssensitiv
Allianz und Munich Re profitieren von steigenden Zinsen durch höhere Renditen auf ihre Anleiheportfolios (Kapitalanlage-Ergebnis). Dies ist eine Besonderheit gegenüber Industrieunternehmen: Versicherungen sind in gewissem Sinne "gehedgt" gegen Zinsanstiege, die andere Asset-Klassen belasten. In Hochzinsphasen sind Versicherungen daher ein interessanter diversifizierender Baustein im DAX-Portfolio.
Versorger E.ON, RWE: Defensivfestung
E.ON und RWE sind regulierte Versorger mit stabilen Einnahmen und hohen Dividendenrenditen. Sie underperformen stark in Boomzeiten — aber bieten in Rezessionen den Ankerpunkt. RWE hat sich durch Erneuerbarer-Energie-Investitionen (Offshore-Wind) transformiert und bietet zusätzlich einen ESG-Premium, der institutionelle Nachfrage anzieht.
8. Kurzarbeit als makroökonomischer Stabilitätsfaktor
Kurzarbeit ist ein deutsches arbeitsmarktpolitisches Instrument, das in Konjunkturkrisen dazu beiträgt, Massenentlassungen zu verhindern. Unternehmen können die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten reduzieren und erhalten vom Staat (Bundesagentur für Arbeit) eine Kompensation von 60–67 % des ausgefallenen Nettolohns.
Für die Makro Asset Allokation ist Kurzarbeit aus zwei Gründen relevant: Erstens mindert es den Rückgang der Unternehmensgewinne in Rezessionen — Unternehmen reduzieren Personalkosten flexibel, ohne qualifizierte Mitarbeiter zu verlieren, die beim nächsten Aufschwung benötigt werden. Im DAX dämpft das den Gewinnrückgang und damit den Kursrückgang der Zykliker in Abschwüngen. Zweitens stabilisiert es den privaten Konsum: Kurzarbeiter erhalten trotz reduzierter Arbeitszeit etwa 80–90 % ihres gewohnten Nettoeinkommens (Kombination aus Kurzarbeitergeld und Eigenanteil), was den inländischen Nachfrageeinbruch abfedert.
Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie (April 2020) befanden sich fast 6 Millionen Menschen in Kurzarbeit — das entspricht rund 14 % der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (Bundesagentur für Arbeit). Ohne dieses Instrument wäre der DAX-Gewinnrückgang 2020 deutlich stärker ausgefallen. Das macht Deutschland strukturell widerstandsfähiger gegen zyklusbedingte Marktkorrektur als Volkswirtschaften ohne vergleichbares Instrument. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistik Kurzarbeit.
9. Internationale Diversifikation für deutsche Portfolios
Ein deutsches Portfolio mit Konzentration auf DAX und Bundesanleihen hat drei strukturelle Risiken: China-Abhängigkeit (VW, BMW, BASF), fehlende Tech-Exposure (DAX hat kaum Technologiegiganten), und EUR-Denominierung (kein natürlicher USD-Hedge).
Ebene 1: Globale Aktien
S&P 500 (Tech-Exposure: Apple, Microsoft, Nvidia, Meta — fehlt im DAX vollständig), MSCI World Quality (diversifiziert nach Qualitätskritierien, reduziert Zyklizität), MSCI Emerging Markets ex China (Indien, Südostasien ohne China-Konzentrationsrisiko). ETF auf XETRA: iShares Core S&P 500 UCITS ETF, Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF.
Ebene 2: Internationale Anleihen
US-Treasuries (globaler Safe Haven in USD — bei EUR/USD-Stärke zusätzliche Währungsrendite), Investment Grade Corporate Eurozone (Risikoprämie über Bund bei niedrigem Ausfallrisiko), EM-Lokalwährungsanleihen (höhere Rendite, aber Währungsrisiko). EUR-hedged Versionen vieler US-Anleihe-ETFs verfügbar — eliminieren das Wechselkursrisiko bei geringen Kosten.
Ebene 3: Reale Assets
Gold (Bundesbank-Tradition: 3.352 t Reserven — stärkste pro-Kopf-Goldposition weltweit institutionell), Industrierohstoffe (Kupfer als Wachstums-Proxy, Öl als Inflationshedge), Infrastruktur-ETFs (stabile regulierte Cashflows als Rentenersatz). Auf XETRA: Xetra-Gold, WisdomTree Physical Copper, iShares Global Infra Structure UCITS ETF.
Hinweis: Keine Anlageberatung. In Deutschland unterliegen Kapitalerträge der Abgeltungssteuer (25 % + Soli = 26,375 %). Immer einen zugelassenen Finanzberater konsultieren.
10. Typische Fehler im deutschen Portfolio
Fehler 1: Bundesanleihen als Rendite- statt Risikosteuerungsinstrument behandeln
Viele deutsche Privatanleger halten Bundesanleihen als "sichere" Renditeanlage. In Hochzinsphasen können aber auch zehnjährige Bundesanleihen 10–15 % an Kurs verlieren. Die Duration ist das Hauptrisiko — nicht das Kreditrisiko. Bunds in der Allokation als Risiko-Hedge nutzen, nicht als Renditeoptimierung.
Fehler 2: DAX mit "deutschem Markt" gleichsetzen
Der DAX ist kein Abbild der deutschen Volkswirtschaft, sondern ein globaler Export-Proxy. Wer "Deutschland" kaufen will, kauft de facto chinesischen Konsum und globale Nachfrage nach Industriegütern. Das ist nicht falsch, aber muss bewusst eingesetzt werden.
Fehler 3: Technologielücke ignorieren
SAP ist der einzige globale Tech-Gigant im DAX. Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet, Amazon sind nicht im Index — in Dekaden der Tech-Outperformance (2010–2024) erklärt dieser strukturelle Unterschied den DAX-Performancenachteil gegenüber dem S&P 500. Ohne US-Tech-ETF fehlt ein wesentliches Wachstumssegment.
Fehler 4: EZB-Entscheidungen ohne Deutschland-Kontext interpretieren
EZB-Zinssenkungen helfen Südeuropa (hohe Staatsverschuldung, günstigere Refinanzierung) mehr als Deutschland. Für deutsche Portfolios bedeutet ein EZB-Zinssenkungszyklus primär: schwächerer Euro (gut für DAX-Exporte), schlechtere Bund-Renditen (gut für Anleihekurse), und potenzielle Abwertungsgewinne für USD-Assets im Portfolio.
11. Glossar
12. Häufige Fragen (FAQ)
Was ist Makro Asset Allokation und warum ist sie für deutsche Investoren relevant?
Makro Asset Allokation nutzt Konjunkturzyklen, Geldpolitik und makroökonomische Trends zur Portfoliosteuerung. Für deutsche Investoren besonders relevant: DAX ist extrem exportlastig (60-70% Umsätze außerhalb Deutschlands), Bundesanleihen sind der Safe-Haven-Anker der Eurozone, und die EZB-Politik wirkt asymmetrisch auf Deutschland vs. Südeuropa. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann die Rotation zwischen zyklischen DAX-Werten und Bundesanleihen systematisch steuern.
Wie unterscheidet sich der DAX von anderen Aktienindizes aus makroökonomischer Sicht?
DAX ist der exportlastigste große westliche Index: 60-70% Umsätze außerhalb Deutschlands. Drei Besonderheiten: (1) China-Abhängigkeit — VW, BMW, BASF erheblich in China exponiert; ein China-Abschwung trifft DAX stärker als S&P 500; (2) Industrielastigkeit — keine Tech-Giganten wie in den USA; SAP ist der einzige globale Tech-Vertreter; (3) fehlende Technologieexposure erklärt den Performancenachteil gegenüber S&P 500 in den Jahren 2010-2024. Quelle: Deutsche Börse DAX-Regelwerk.
Wann sollten Bundesanleihen in der Asset Allokation übergewichtet werden?
Bundesanleihen überperformen in: (1) Rezession — EZB senkt Zinsen, Anleihekurse steigen, Gewinne fallen; (2) Risk-off global — Bunds sind der ultimative europäische Safe Haven, auch mit negativer Rendite; (3) EZB-Zinssenkungszyklus mit stabiler Inflation; (4) EUR-Aufwertung — internationales Kapital fließt in Bunds mit Währungsgewinnen. Untergewichten in Phasen starker Konjunktur und Inflation (Duration-Risiko). Bunds sind Risikomanagement-Instrumente, keine Renditeoptimierung. Quelle: Bundesbank Monatsbericht.
Wie nutzt man den ifo Geschäftsklimaindex für die Asset Allokation?
Der ifo-Erwartungsindex läuft dem Konjunkturverlauf 3-6 Monate voraus. Steigt er nach Tief: Kaufsignal für zyklische DAX-Werte (Automobil, Chemie), Verkaufssignal für Bundesanleihen. Fällt er: Rotation in Defensive (Versorger, Gesundheit) und Bunds. Kombination mit ZEW (erscheint früher, reagiert schneller auf Markterwartungen) ergibt robusteres Signal. Erscheint monatlich um den 25. — institutionelle Investoren positionieren sich oft in den Tagen davor. Daten: ifo.de.
Wie funktioniert die Sektorrotation im DAX?
Aufschwung: Übergewichtung Automobil (VW, BMW), Chemie (BASF), Industrie (Siemens). Hochkonjunktur: Rohstoffe, Energie, Kurzläufer Bunds. Abschwung: Versorger (E.ON, RWE), Gesundheit (Bayer), Bunds. Erholung: Bunds mittel, Zykliker aufbauen. Besonderheit: Versicherungen (Allianz, Munich Re) profitieren von Zinsen — eine zinssensitive Defensive. Kurzarbeit dämpft Gewinnrückgang der Zykliker in Abschwüngen — DAX-Unternehmen sind strukturell widerstandsfähiger als ohne dieses Instrument.
Welche Rolle spielen Bundesanleihen als Safe-Haven in einem globalen Portfolio?
Bundesanleihen sind der risikolose Zinsbenchmark der Eurozone: AAA-Rating, größter Anleihemarkt der Eurozone, Fluchwährungsasset in Krisen. In der Eurokrise 2011-2012 sanken Bundesanleiherenditen auf unter null — Investoren zahlten dafür, ihr Kapital dort zu parken. Der Bund-Future (FGBL) ist das meistgehandelte Zinsderivat der Welt — ein Zeichen für die globale Bedeutung. Für deutsche Portfolios: Bunds sind das Risikomanagement-Instrument schlechthin, kein Renditeinstrument. Quelle: Bundesbank, Deutsche Börse Eurex.
Wie beeinflusst die EZB-Geldpolitik die Asset Allokation in Deutschland?
EZB-Zinssenkungen helfen Deutschland weniger als Südeuropa (Deutschland hat ca. 62% Schulden/BIP vs. 140%+ in Italien). Für deutsche Portfolios bedeutet EZB-Lockerung: schwächerer Euro (positiv für DAX-Export), steigende Bund-Kurse (positiv für Anleihehalter), und relative Attraktivität von USD-Assets durch potenzielle Währungsgewinne. Die Bundesbank veröffentlicht im Monatsbericht detaillierte Analysen zur Transmission der EZB-Politik auf die deutsche Wirtschaft.
Wie diversifizieren deutsche Investoren international in einem Makro-Portfolio?
Drei Ebenen: (1) Globale Aktien — S&P 500 (Tech-Exposure: Apple, Microsoft, Nvidia fehlen im DAX), MSCI World Quality, MSCI EM ex China; (2) Internationale Anleihen — US-Treasuries (USD-Hedge, Safe Haven), IG Corporate Eurozone (Risikoprämie), EM-Lokalwährung; (3) Reale Assets — Gold (Bundesbank-Tradition: 3.352 t), Industrierohstoffe, Infrastruktur. XETRA bietet UCITS-konforme ETFs: iShares, Vanguard, Amundi. Steuerlich: Abgeltungssteuer 25% + Soli = 26,375% auf Gewinne. Keine Anlageberatung — Finanzberater konsultieren.
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