Rezessionsindikatoren: jede Faustregel einzeln nachgerechnet
Die bekannteste Aussage über Rezessionen ist zugleich die am leichtesten überprüfbare: «Zwei negative Quartale sind eine Rezession.» Für die Vereinigten Staaten existiert eine amtliche Chronologie mit Monatsdaten und existiert eine öffentliche Quartalsreihe des Bruttoinlandsprodukts. Legt man beide nebeneinander, ergibt sich ein eindeutiges Bild: Zwei der zwölf Rezessionen seit 1948 enthalten überhaupt keine zwei aufeinanderfolgenden negativen Quartale, und mindestens ein Paar negativer Quartale liegt außerhalb jeder Rezession. Dieselbe Prüfung wird hier auf die übrigen Frühindikatoren angewandt.
Eine Chronologie, sechs Reihen, keine Empfehlung
Was gerechnet wurde. Aus dem realen Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten wurden 317 Quartalsveränderungen vom zweiten Quartal 1947 bis zum zweiten Quartal 2026 gebildet und gegen die Chronologie des National Bureau of Economic Research gehalten. Dieselbe Rechnung wurde für Deutschland auf 141 Quartalsveränderungen ab dem zweiten Quartal 1991 wiederholt. Dazu kommen vier weitere Reihen, jede mit ihrer Länge und ihrem letzten Wert. Alle Daten wurden am 13. August 2026 abgerufen.
Was nicht enthalten ist. Kein Modell, kein zusammengesetzter Index eigener Bauart, keine Gewichtung mehrerer Signale zu einer Zahl, keine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Bei zwölf amerikanischen Rezessionen in achtundsiebzig Jahren wäre jede geschätzte Wahrscheinlichkeit eine Zahl mit mehr Nachkommastellen als Beobachtungen.
Was diese Seite nicht ist. Keine Anlageberatung, keine Empfehlung und keine Vorhersage einer Rezession — weder für die Vereinigten Staaten noch für Deutschland. Die Reihen beschreiben, was war; die Chronologie entsteht erst nachträglich. Vextor Capital erhält kein Entgelt von Datenanbietern und hält keine Positionen in den hier genannten Märkten.
Was eine Rezession laut der zuständigen Stelle ist
Für die Vereinigten Staaten gibt es genau eine Instanz, die Rezessionen datiert, und ihre Definition steht in einem einzigen Satz oberhalb der Tabelle: «Recessions — contractions in economic activity — start in the month after a peak in the business cycle, and end in the month of the trough.» Daraus folgen drei Dinge, die der Faustregel widersprechen.
Erstens ist die Chronologie monatlich. Ein Konjunkturhöhepunkt wird auf einen Monat datiert, nicht auf ein Quartal. Die Tabelle nennt zu jedem Höhepunkt auch das Quartal — und markiert eigens jene Fälle, in denen das angegebene Quartal den angegebenen Monat gar nicht enthält. Der Höhepunkt vom Februar 2020 etwa trägt das Quartal 2019-Q4. Eine Regel, die auf Quartale schaut, kann eine Monatschronologie grundsätzlich nur ungefähr treffen.
Zweitens ist von einer einzelnen Größe nicht die Rede. Der Satz spricht von einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit, nicht vom Bruttoinlandsprodukt. Ein Komitee entscheidet über Tiefe, Dauer und Breite des Rückgangs; keine dieser drei Größen ist eine Formel.
Drittens ist die Chronologie eine rückblickende Feststellung. Ein Wendepunkt wird Monate nach seinem Eintritt eingetragen, weil die Daten, auf denen er beruht, zum Zeitpunkt des Ereignisses noch nicht vorliegen und danach revidiert werden. Beim Abruf am 13. August 2026 trug die Seite den Hinweis, die Konjunkturdaten seien zuletzt am 14. März 2023 aktualisiert worden. Wer heute fragt, ob eine Rezession läuft, fragt nach einer Angabe, die es für die Gegenwart nicht gibt.
Die Faustregel, gegen alle zwölf Fälle geprüft
Die folgende Tabelle enthält jede vom NBER datierte amerikanische Rezession seit 1948 — es sind zwölf, keine Auswahl — und daneben, ob die Quartalsreihe des realen Bruttoinlandsprodukts in ihrem Umfeld zwei aufeinanderfolgende negative Quartale zeigt. Gerechnet wurde auf dem heutigen Datenstand, nicht auf dem des jeweiligen Jahres.
| Rezession laut NBER | Zwei negative Quartale? | Was die Quartalsreihe zeigt |
|---|---|---|
| November 1948 – Oktober 1949 | ja | 1949-Q1 und Q2: −1,38 % und −0,34 % |
| Juli 1953 – Mai 1954 | ja | drei Quartale: −0,56 %, −1,51 %, −0,48 % |
| August 1957 – April 1958 | ja | 1957-Q4 und 1958-Q1: −1,03 % und −2,60 % |
| April 1960 – Februar 1961 | nein | −0,54 %, +0,49 %, −1,28 %, +0,68 %: nie zwei hintereinander |
| Dezember 1969 – November 1970 | ja | 1969-Q4 und 1970-Q1, beginnend vor dem Höhepunkt |
| November 1973 – März 1975 | ja | drei Quartale ab 1974-Q3 |
| Januar 1980 – Juli 1980 | ja | 1980-Q2 und Q3 — das zweite liegt nach der Talsohle |
| Juli 1981 – November 1982 | ja | 1981-Q4 und 1982-Q1: −1,09 % und −1,55 % |
| Juli 1990 – März 1991 | ja | 1990-Q4 und 1991-Q1: −0,91 % und −0,47 % |
| März 2001 – November 2001 | nein | −0,33 %, +0,62 %, −0,40 %, +0,27 %: nie zwei hintereinander |
| Dezember 2007 – Juni 2009 | ja | vier Quartale ab 2008-Q3 |
| Februar 2020 – April 2020 | ja | 2020-Q1 und Q2: −1,32 % und −7,88 % |
Zehn von zwölf treffen, zwei nicht. Die Rezession vom März bis November 2001 ist der bekanntere der beiden Fehlschläge: Die vier Quartale um sie herum wechseln das Vorzeichen bei jedem Schritt — −0,33 Prozent, +0,62, −0,40, +0,27 — und stehen damit nie zweimal hintereinander im Minus. Ein Beobachter, der 2001 nur auf die Faustregel geschaut hätte, hätte die Rezession nie bemerkt. Der zweite Fehlschlag, April 1960 bis Februar 1961, hat dasselbe Muster.
Die Gegenrichtung ist ebenso aufschlussreich. Über die ganze Reihe von 1947 bis 2026 gibt es elf Episoden mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden negativen Quartalen. Eine davon — das zweite und dritte Quartal 1947 mit −0,27 und −0,20 Prozent — liegt vollständig außerhalb jeder datierten Rezession. Zwei weitere beginnen vor dem Höhepunkt, den das Komitee eingetragen hat, statt in ihm zu liegen: 1969-Q4 vor dem Höhepunkt vom Dezember 1969, und 2020-Q1 vor dem vom Februar 2020. Und im Fall von 1980 liegt das zweite der beiden negativen Quartale — 1980-Q3 — bereits nach der Talsohle vom Juli 1980, also nach dem Ende der Rezession.
Dieselbe Rechnung für Deutschland
Für Deutschland fehlt die Gegenprobe, denn es gibt keine amtliche Wendepunktdatierung, gegen die man prüfen könnte. Was es gibt, ist die Quartalsreihe: 141 Veränderungen des preisbereinigten, saison- und kalenderbereinigten Bruttoinlandsprodukts vom zweiten Quartal 1991 bis zum zweiten Quartal 2026. Davon sind 40 negativ, also 28,4 Prozent — mehr als jedes vierte Quartal. Neun Episoden erfüllen die Faustregel:
| Zeitraum | Veränderung gegenüber dem Vorquartal |
|---|---|
| 1991-Q2 – 1991-Q3 | −0,5 %, −0,2 % |
| 1992-Q2 – 1993-Q1 | −0,6 %, −0,3 %, −0,3 %, −0,8 % |
| 2001-Q4 – 2002-Q1 | −0,3 %, −0,5 % |
| 2002-Q4 – 2003-Q1 | −0,2 %, −1,4 % |
| 2004-Q3 – 2004-Q4 | −0,3 %, −0,1 % |
| 2008-Q2 – 2009-Q1 | −0,4 %, −0,5 %, −1,5 %, −4,7 % |
| 2012-Q4 – 2013-Q1 | −0,3 %, −0,5 % |
| 2019-Q4 – 2020-Q2 | −0,5 %, −1,9 %, −8,9 % |
| 2022-Q4 – 2023-Q2 | −0,3 %, −0,7 %, −0,1 % |
Neun Episoden in fünfunddreißig Jahren bedeuten im Schnitt eine alle vier Jahre. Wer die Faustregel auf Deutschland anwendet, erklärt also einen erheblichen Teil der jüngeren Wirtschaftsgeschichte zur Rezession — darunter das dritte und vierte Quartal 2004 mit −0,3 und −0,1 Prozent, Werte, die innerhalb der üblichen Revisionsspanne der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen liegen. Genau das ist der Grund, warum eine Datierung nicht aus einer Regel, sondern aus einem Urteil über mehrere Größen entsteht.
Die übrigen Indikatoren, mit ihrer Länge und ihrem Stand
Statt einer Aufzählung dessen, was jeder Indikator angeblich vorhersagt, steht hier, wie viele Beobachtungen er hat und wo er beim Abruf stand. Das ist die Angabe, aus der ein Leser selbst ableiten kann, wie belastbar eine Aussage über ihn sein kann.
| Indikator | Quelle und Kennung | Umfang | Was ausgezählt wurde |
|---|---|---|---|
| Renditedifferenz 10 Jahre / 3 Monate | St. Louis Fed, T10Y3M | 11.155 Tage ab 1982 | 6 Episoden bei 10 Tagen Mindestdauer, 4 mit folgender Rezession |
| Sahm-Regel, Echtzeitfassung | St. Louis Fed, SAHMREALTIME | 799 Monate ab Dezember 1959 | 177 Monate mit Wert ab 0,50; Juli 2026: −0,03 |
| Sahm-Regel, revidierte Fassung | St. Louis Fed, SAHMCURRENT | 929 Monate ab März 1949 | 223 Monate mit Wert ab 0,50; Juli 2026: −0,03 |
| Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung | St. Louis Fed, ICSA | 3.109 Wochen ab 7. Januar 1967 | 1. August 2026: 199.000 |
| Risikoaufschlag Baa gegen 10 Jahre | St. Louis Fed, BAA10Y | 10.151 Tage ab 2. Januar 1986 | Median 2,14; 10. August 2026: 1,62 |
| Wirtschaftsklima Deutschland | Eurostat, ei_bssi_m_r2 | 559 Monate ab Januar 1980 | Juli 2026: 92,7 bei einem Mittel von 100 |
Die beiden Zeilen zur Sahm-Regel stehen bewusst untereinander, denn ihr Unterschied ist der Kern des Problems mit jedem Frühindikator. Es handelt sich um dieselbe Rechenvorschrift auf demselben Arbeitsmarkt. Die eine Fassung benutzt die Zahlen, die am Tag der Veröffentlichung bekannt waren; die andere die heutigen. Die erste erreicht die Schwelle von 0,50 in 177 von 799 Monaten, die zweite in 223 von 929. Wer eine Trefferquote auf der revidierten Fassung rechnet, rechnet mit Wissen, das zum Zeitpunkt der Entscheidung niemand hatte.
Der Risikoaufschlag von Unternehmensanleihen zeigt eine andere Eigenschaft, die bei Schwellenwertregeln oft übersehen wird: eine extrem schiefe Verteilung. Über 10.151 Handelstage seit 1986 liegt der Median bei 2,14 Prozentpunkten, aber Werte ab 5,00 gibt es nur an 135 Tagen — und davon fällt der ganz überwiegende Teil in die sieben Monate zwischen Oktober 2008 und Mai 2009. Ein Signal, das in vierzig Jahren im Wesentlichen einmal auslöst, lässt sich nicht bewerten: Man hat eine Beobachtung.
Was diese Quellen nicht sagen
- Das NBER datiert eine Rezession Monate nach ihrem Beginn. Es gibt keine amtliche Antwort auf die Frage, ob heute eine Rezession läuft, und diese Seite gibt auch keine.
- Diese Reihen werden revidiert. Das Bruttoinlandsprodukt eines Quartals erscheint in mehreren Fassungen und wird zusätzlich bei den jährlichen und den umfassenden Überarbeitungen der Gesamtrechnungen verändert. Die Werte auf dieser Seite sind der Stand vom 13. August 2026 und nicht die Zahlen, die zum jeweiligen Zeitpunkt veröffentlicht wurden.
- Keine europäische Wendepunktchronologie. Die Datierung für den Euroraum ist hier nicht wiedergegeben, weil die veröffentlichende Stelle am 13. August 2026 bei zwei Versuchen mit dem Fehlercode 403 antwortete. Für Deutschland gibt es eine solche Chronologie überhaupt nicht.
- Keine Schwelle stammt aus den Daten. Ein halber Prozentpunkt bei der Sahm-Regel, null bei der Renditedifferenz, 100 beim Wirtschaftsklima: Diese Grenzen sind gesetzt, nicht gemessen. Verschiebt man sie, ändern sich alle Auszählungen dieser Seite.
- Kein Zusammenhang wird hier erklärt. Warum Erstanträge vor einer Rezession steigen oder Risikoaufschläge sich ausweiten, steht in keiner der geöffneten Dateien. Die Reihen zeigen Bewegungen; Ursachen zeigen sie nicht.
- Keine Anlagefolge. Aus keiner dieser Auszählungen folgt, was ein Anleger tun sollte. Diese Seite enthält keine Empfehlung, keinen Zeitpunkt und keine Portfolioaussage.
Wie Sie das selbst nachprüfen
- Laden Sie
GDPC1bei der Federal Reserve Bank of St. Louis. Bilden Sie aus den Niveaus die Veränderung gegenüber dem Vorquartal in Prozent; es müssen 317 Werte entstehen. - Suchen Sie alle Läufe von mindestens zwei negativen Quartalen. Es müssen elf sein, der erste im zweiten Quartal 1947, der letzte im ersten Quartal 2020.
- Öffnen Sie die Chronologie des NBER und schreiben Sie die zwölf Rezessionen seit 1948 heraus. Prüfen Sie für 1960/61 und für 2001, ob dort zwei negative Quartale hintereinander liegen. Sie werden keine finden.
- Wiederholen Sie die Rechnung mit den deutschen Quartalsdaten von Eurostat. Es müssen 141 Veränderungen, 40 negative Quartale und neun Episoden herauskommen.
- Laden Sie
SAHMREALTIMEundSAHMCURRENTund zählen Sie in beiden die Monate mit einem Wert von mindestens 0,50. Der Unterschied zwischen 177 und 223 ist das Maß der Revision. - Zählen Sie in
BAA10Ydie Tage mit einem Wert ab 5,00. Es müssen 135 sein. Schauen Sie sich ihre Datumsverteilung an, bevor Sie diese Schwelle für eine Regel halten.
Wohin es von hier weitergeht
- Zinskurve — der bekannteste Frühindikator, in allen Zählweisen ausgeschrieben.
- Bruttoinlandsprodukt — was die Größe misst, die hier über Rezessionen entscheiden soll, und wie oft sie revidiert wird.
- Risikoaufschläge am Anleihemarkt — dieselbe Reihe über vier Jahrzehnte, mit ihrer schiefen Verteilung.
- Alle Leitfäden zur Makroökonomie — der Bereichsindex, einen Klick von hier.
Für diese Seite geöffnete Quellen
Alle Reihen wurden am 13. August 2026 abgerufen und an diesem Tag ausgewertet. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.
- National Bureau of Economic Research — US Business Cycle Expansions and ContractionsBenutzt für: die Definition im Wortlaut und die Chronologie der 34 Rezessionen seit Dezember 1854, mit Monat und Quartal jedes Höhepunkts und jeder Talsohle. Gelesen am 13. August 2026; die Seite gibt an, die Konjunkturdaten seien zuletzt am 14. März 2023 aktualisiert worden.
- Federal Reserve Bank of St. Louis — Reihe GDPC1Benutzt für: das reale Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten in Quartalswerten, aus dem hier 317 Quartalsveränderungen vom zweiten Quartal 1947 bis zum zweiten Quartal 2026 gebildet wurden. Die zugrunde liegenden Zahlen stammen aus den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Bureau of Economic Analysis.
- Federal Reserve Bank of St. Louis — Reihen SAHMREALTIME, SAHMCURRENT, ICSA und BAA10YBenutzt für: die beiden Fassungen der Sahm-Regel, die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung und der Renditeabstand zwischen langfristigen Unternehmensanleihen mit Baa-Bewertung und der zehnjährigen Staatsanleihe, alle am 13. August 2026 abgerufen.
- Eurostat — namq_10_gdp, Deutschland und EuroraumBenutzt für: 141 deutsche und 125 europäische Quartalsveränderungen des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts; der Datensatz trägt den Aktualisierungszeitpunkt 12. August 2026.
- Eurostat — ei_bssi_m_r2, Wirtschaftsklima für DeutschlandBenutzt für: 559 Monatswerte des Sammelindikators für das Wirtschaftsklima ab Januar 1980, erhoben im Rahmen der gemeinsamen Unternehmens- und Verbraucherumfragen der Europäischen Kommission; Aktualisierungszeitpunkt 30. Juli 2026.
Änderungsverzeichnis
- 13. August 2026 — Seite vollständig neu geschrieben. Entfernt und nicht ersetzt: die Angabe, zwei negative Quartale seien die Definition einer Rezession; eine Liste von Frühindikatoren mit angeblichen Vorlaufzeiten ohne Auszählung; Schwellenwerte ohne Angabe, woher sie stammen; Aussagen über die deutsche Konjunktur ohne Quartalsdaten und ohne Datum; und die Nennung einer Organisation als Autor. An ihre Stelle traten der Wortlaut der Definition des NBER, die Prüfung der Faustregel gegen alle zwölf amerikanischen Rezessionen seit 1948, die neun deutschen Episoden aus 141 Quartalen, sechs Indikatoren mit Umfang und Stand sowie die ausdrückliche Angabe, dass für den Euroraum keine Wendepunktdatierung erreichbar war.
Häufige Fragen
Sind zwei negative Quartale eine Rezession?▼
Das ist keine Definition, sondern eine Faustregel, und sie stimmt nicht mit der Chronologie überein, die sie beschreiben soll. Für die Vereinigten Staaten zählt das National Bureau of Economic Research zwölf Rezessionen seit 1948. Rechnet man die Quartalsveränderungen des realen Bruttoinlandsprodukts aus, enthalten zwei dieser zwölf niemals zwei aufeinanderfolgende negative Quartale: die Rezession vom April 1960 bis Februar 1961 und die vom März bis November 2001. Umgekehrt gibt es mindestens einen Fall — das zweite und dritte Quartal 1947 —, in dem zwei negative Quartale auftraten, ohne dass eine Rezession datiert wurde.
Wie definiert das NBER eine Rezession dann?▼
Auf seiner Seite mit der Chronologie steht der Satz wörtlich: «Recessions — contractions in economic activity — start in the month after a peak in the business cycle, and end in the month of the trough.» Eine Rezession ist also der Abstand zwischen zwei Wendepunkten, die ein Komitee auf Monate datiert. Die Chronologie ist monatlich, nicht quartalsweise, und sie beruht nicht auf einer einzigen Zahl. Die Tabelle markiert sogar ausdrücklich die Fälle, in denen das Quartal des Wendepunkts den Monat des Wendepunkts nicht enthält.
Wer datiert Rezessionen in Europa?▼
Nicht das NBER: Seine Chronologie gilt ausschließlich für die Vereinigten Staaten. Weder Eurostat noch die Europäische Zentralbank datieren Wendepunkte; sie veröffentlichen Reihen. Für den Euroraum besteht ein eigenes Datierungskomitee, dessen Chronologie im Netz steht. Diese Seite gibt seine Daten nicht wieder, weil die beiden Adressen, unter denen sie veröffentlicht wird, am 13. August 2026 bei zwei Versuchen mit dem Fehlercode 403 antworteten. Für Deutschland gibt es keine amtliche Wendepunktdatierung, sondern nur die Quartalsreihe des Bruttoinlandsprodukts.
Wie oft war die deutsche Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge rückläufig?▼
Über 141 Quartalsveränderungen vom zweiten Quartal 1991 bis zum zweiten Quartal 2026, gerechnet auf den preisbereinigten und saison- sowie kalenderbereinigten Werten von Eurostat, waren 40 Quartale negativ — 28,4 Prozent. Es gibt neun Episoden mit mindestens zwei negativen Quartalen hintereinander. Die längsten sind 1992/93 mit vier Quartalen und 2008/09 ebenfalls mit vier. Die jüngste reicht vom vierten Quartal 2022 bis zum zweiten Quartal 2023, mit −0,3, −0,7 und −0,1 Prozent.
Was ist die Sahm-Regel und wie oft hat sie ausgelöst?▼
Sie vergleicht den Dreimonatsdurchschnitt der amerikanischen Arbeitslosenquote mit dem tiefsten Dreimonatsdurchschnitt der vorangegangenen zwölf Monate; ab einem Abstand von einem halben Prozentpunkt gilt die Schwelle als erreicht. In der Echtzeitfassung, die die Federal Reserve Bank of St. Louis veröffentlicht, liegt der Wert in 177 von 799 Monaten ab Dezember 1959 bei mindestens 0,50. In der Fassung mit revidierten Daten sind es 223 von 929 Monaten ab März 1949. Im Juli 2026 stand die Echtzeitfassung bei −0,03.
Warum unterscheiden sich Echtzeitfassung und revidierte Fassung?▼
Weil die Arbeitsmarktdaten, aus denen beide gerechnet werden, nachträglich revidiert werden: durch die jährliche Neuberechnung der Saisonfaktoren und durch die Anpassung an neue Bevölkerungsfortschreibungen. Die Echtzeitfassung friert ein, was am Tag der Veröffentlichung bekannt war; die andere rechnet mit dem heutigen Datenstand. Die 46 Monate Unterschied zwischen 223 und 177 Auslösungen sind kein Fehler in einer der beiden Reihen — sie sind das Maß dafür, wie viel eine Revision an einem Signal verändert.
Was zeigt der Risikoaufschlag von Unternehmensanleihen?▼
Die Differenz zwischen der Rendite langfristiger Unternehmensanleihen mit der Bewertung Baa von Moody's und der zehnjährigen US-Staatsanleihe umfasst 10.151 Handelstage vom 2. Januar 1986 bis zum 10. August 2026. Der Median liegt bei 2,14 Prozentpunkten, der Mittelwert bei 2,27. Der höchste je erreichte Wert ist 6,16 am 4. Dezember 2008, der niedrigste 1,16 am 20. März 1989. Am 10. August 2026 lag der Aufschlag bei 1,62 Prozentpunkten. Werte von 5,00 und mehr gab es an 135 Tagen — 1,3 Prozent aller Tage, und fast alle davon zwischen Oktober 2008 und Mai 2009.
Gibt es einen Indikator, der zuverlässig funktioniert?▼
Diese Seite behauptet das von keinem und empfiehlt keinen. Jeder hier gerechnete Indikator hat mindestens einen dokumentierten Fehlschlag, jeder hängt an einer Schwelle, die niemand aus den Daten ableiten kann, und alle beruhen auf einer sehr kleinen Zahl von Fällen: zwölf amerikanische Rezessionen in fast achtzig Jahren. Hinzu kommt, dass die Größe, gegen die geprüft wird — die Chronologie —, selbst erst Monate nach dem Ereignis entsteht.
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