Zum Hauptinhalt springen

Wirtschaftskalender: was terminiert ist und was nur erwartet wird

Ein Wirtschaftskalender wirkt wie eine Liste von Gewissheiten. Prüft man ihn an den Quellen, zerfällt er in drei sehr ungleiche Teile: Termine, die im Voraus amtlich festgelegt sind; Termine, deren Quelle an diesem Tag nicht erreichbar war; und Zahlen, deren Erscheinen sich überhaupt nur nachträglich messen lässt. Diese Seite trennt die drei sauber — und nennt beim zweiten Teil drei Fehlercodes statt einer Liste aus zweiter Hand.

Ein offener Kalender, drei geschlossene Quellen, sechs gemessene Datenstände

Was gelesen wurde. Der Sitzungskalender des Board of Governors mit den Terminen für 2026 und 2027, den Sternmarkierungen und den ausgewiesenen Veröffentlichungsdaten der Protokolle. Dazu die Übersichtsseite zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Alles am 13. August 2026.

Was nicht enthalten ist. Keine Termine des amerikanischen Statistikamts, des Statistischen Bundesamts oder des Rates der Europäischen Zentralbank: Alle drei Seiten antworteten am Abruftag mit einem Fehlercode. Keine erwarteten Werte, keine Konsensschätzungen, keine Einordnung, welcher Termin «wichtig» ist — solche Bewertungen stammen aus keiner amtlichen Quelle.

Was diese Seite nicht ist. Keine Anlageberatung, keine Prognose und keine Aussage über Marktreaktionen auf Veröffentlichungen.

Der einzige Kalender, der sich lesen ließ

Der Sitzungskalender des Offenmarktausschusses ist im Voraus veröffentlicht, für das laufende und für das folgende Jahr. Acht Sitzungen je Jahr, jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Tagen; die Entscheidung wird am zweiten Tag mitgeteilt.

Sitzung 2026Mit ProjektionenProtokoll veröffentlicht am
27. – 28. Januarnein18. Februar 2026
17. – 18. Märzjaim Kalender ausgewiesen
28. – 29. Aprilnein20. Mai 2026
16. – 17. Junija8. Juli 2026
28. – 29. Julineinim Kalender ausgewiesen
15. – 16. Septemberjanoch nicht ausgewiesen
27. – 28. Oktoberneinnoch nicht ausgewiesen
8. – 9. Dezemberjanoch nicht ausgewiesen

Zwei Muster stecken in dieser Tabelle. Erstens tragen genau vier der acht Sitzungen einen Stern, dessen Bedeutung die Fußnote nennt: «Meeting associated with a Summary of Economic Projections.» Sie liegen im März, Juni, September und Dezember, also im Abstand von jeweils einem Quartal. Zweitens liegt zwischen dem zweiten Sitzungstag und der Veröffentlichung des Protokolls durchgehend rund drei Wochen: 28. Januar auf 18. Februar, 29. April auf 20. Mai, 17. Juni auf 8. Juli. Für 2027 nennt derselbe Kalender ebenfalls acht Sitzungen, die erste am 26. und 27. Januar.

Für den Euroraum ließ sich nur eine einzige Angabe belegen: Die Übersichtsseite zur Geldpolitik nennt als jüngste geldpolitische Pressekonferenz den 23. Juli 2026. Die weiterführende Kalenderseite für die Sitzungen des Jahres 2026 antwortete mit dem Fehlercode 404. Was sich stattdessen aus amtlichen Daten belegen lässt, ist der tatsächliche Rhythmus der Beschlüsse: Die lückenlose Tagesreihe des Hauptrefinanzierungssatzes enthält seit dem 1. Januar 1999 genau 60 Änderungen, mit einem Median von 63 Tagen zwischen zwei aufeinanderfolgenden und einem größten Abstand von 2.324 Tagen.

Wie weit ein Kalender reicht

Ein zweiter Vorzug dieses Kalenders wird selten genutzt: Er reicht über das laufende Jahr hinaus. Am 13. August 2026 standen dort bereits sämtliche acht Sitzungstermine des Jahres 2027, mit derselben Sternsystematik.

Sitzung 2027Mit Projektionen
26. – 27. Januarnein
16. – 17. Märzja
27. – 28. Aprilnein
8. – 9. Junija
27. – 28. Julinein
14. – 15. Septemberja
26. – 27. Oktobernein
7. – 8. Dezemberja

Der Vergleich der beiden Jahrestabellen zeigt, wie stabil der Rhythmus ist und wo er sich verschiebt. Die Zahl der Sitzungen ist identisch, die Zuordnung der Sternsitzungen zu den Quartalen ebenfalls — März, Juni, September und Dezember in beiden Jahren. Die genauen Tage wandern dagegen: Die Junisitzung liegt 2026 am 16. und 17., 2027 am 8. und 9.; die Septembersitzung 2026 am 15. und 16., 2027 am 14. und 15. Wer einen Termin aus dem Vorjahr fortschreibt, liegt also regelmäßig um Tage daneben.

Praktisch bedeutet das: Für die Notenbanktermine der nächsten sechzehn Monate braucht niemand einen gewerblichen Kalender — der amtliche steht offen und nennt beides, Termin und Art der Sitzung. Für alles andere, insbesondere für die Veröffentlichung von Statistiken, gilt das Gegenteil: Dort waren am Abruftag alle drei geprüften amtlichen Quellen geschlossen, und die belastbare Ersatzmethode ist nicht eine fremde Liste, sondern das Mitschreiben der Datenstände.

Die drei geschlossenen Quellen, im Klartext

Geöffnete QuelleAntwort am 13. August 2026Folge für diese Seite
Veröffentlichungskalender des Bureau of Labor Statistics für 2026Fehlercode 403keine Termine für Verbraucherpreise und Arbeitsmarktbericht auf dieser Seite
Terminübersicht des Statistischen BundesamtsFehlercode 404keine deutschen Veröffentlichungstermine auf dieser Seite
Kalenderseite der Europäischen Zentralbank für die Sitzungen 2026Fehlercode 404keine europäische Sitzungsliste auf dieser Seite

Diese Tabelle ist kein Eingeständnis, sondern der eigentliche Beitrag dieser Seite. Termine sind die am leichtesten abzuschreibende Art von Information: Jeder Anbieter eines Wirtschaftskalenders hat eine Liste, und keine dieser Listen nennt, woher sie stammt. Eine Terminangabe ohne Quelle ist jedoch genau so viel wert wie eine Zahl ohne Quelle. Wer die drei genannten Stellen selbst aufruft und dieselben Fehlercodes erhält, weiß mehr als jemand, der eine fremde Liste übernommen hat.

Wie man sich einen gemessenen Kalender baut

Es gibt einen Weg, der ohne Terminlisten auskommt und dafür belastbarer ist: Man liest die Datensätze selbst. Jede Antwort der Eurostat-Schnittstelle enthält ein Feld mit dem Aktualisierungszeitpunkt, und die Dateien der Bundesbank tragen im Kopf den Eintrag «Stand vom» — bei manchen sogar mit Uhrzeit. Wer eine Reihe regelmäßig abruft und diese Angabe mitschreibt, erhält nach wenigen Monaten den tatsächlichen Veröffentlichungsrhythmus, gemessen statt angekündigt.

DatensatzAngegebener StandWas er enthält
Quartalsdaten für Deutschland, Eurostat12. August 2026jüngster Berichtszeitraum: 2. Quartal 2026
Arbeitslosenquote, Eurostat12. August 2026jüngster Berichtszeitraum: Juni 2026
Wirtschaftsklima, Eurostat30. Juli 2026jüngster Berichtszeitraum: Juli 2026
Harmonisierte Teuerungsrate, Eurostat6. Februar 2026jüngster Berichtszeitraum: Dezember 2025
Verbraucherpreisindex, Bundesbank-Datei12. August 2026, 8:24 Uhrjüngster Berichtszeitraum: Juli 2026
Zinsstrukturkurve, Bundesbank-Datei12. August 2026, 12:28 Uhrjüngster Berichtszeitraum: 12. August 2026

Die vierte Zeile ist der Grund, warum diese Methode der Terminliste überlegen ist. Ein Kalender hätte für die harmonisierte Teuerungsrate im Frühjahr und Sommer 2026 mehrere Termine angekündigt; der Datensatz selbst gibt als Stand den 6. Februar 2026 an und enthält als jüngsten Wert den Dezember 2025. Ein angekündigter Termin und eine tatsächlich vorhandene Zahl sind zwei verschiedene Dinge, und nur das zweite lässt sich prüfen.

Die letzten beiden Zeilen zeigen die feinste verfügbare Auflösung: Die Bundesbank nennt in ihren Dateien nicht nur den Tag, sondern die Uhrzeit — 8:24 Uhr für den Verbraucherpreisindex und 12:28 Uhr für die Zinsstrukturkurve, beide am 12. August 2026. Damit lässt sich sogar innerhalb eines Tages feststellen, welche Reihe wann bereitstand.

Was ein Kalender über Beschlüsse nicht sagt

Ein Sitzungstermin ist kein Beschlusstermin. Wie weit die beiden auseinanderfallen können, zeigt die Auszählung der tatsächlichen Beschlüsse: In den 10.084 Tagen der lückenlosen Reihe des Hauptrefinanzierungssatzes gab es 60 Änderungen — das sind rund 2,2 Änderungen je Jahr, während der einzige Sitzungskalender, den diese Seite lesen konnte, acht Sitzungen je Jahr ausweist. Der Median des Abstands zwischen zwei Änderungen beträgt 63 Tage, der kürzeste Abstand 18 Tage — und der längste 2.324 Tage, vom 16. März 2016 bis zum 27. Juli 2022.

Mehr als sechs Jahre lang blieb der Satz also unverändert, obwohl in dieser Zeit regelmäßig getagt wurde. Ein Kalender, der diese Termine auflistet, ist deshalb keine Liste bevorstehender Entscheidungen, sondern eine Liste bevorstehender Gelegenheiten. Der Unterschied ist derselbe wie zwischen einem Termin und einem Ereignis — und er ist der Grund, weshalb diese Seite die Termine wiedergibt und über ihren Ausgang nichts sagt.

Was diese Quellen nicht sagen

Wie Sie das selbst nachprüfen

  1. Öffnen Sie den Sitzungskalender des Board of Governors und zählen Sie die Termine für 2026: Es müssen acht sein, vier davon mit Stern.
  2. Lesen Sie die Fußnote unter der Tabelle. Sie erklärt den Stern in einem Satz.
  3. Notieren Sie zu drei Sitzungen das ausgewiesene Veröffentlichungsdatum des Protokolls und rechnen Sie den Abstand zum zweiten Sitzungstag aus. Es müssen jeweils rund drei Wochen sein.
  4. Rufen Sie die drei in der Tabelle genannten Terminquellen auf und notieren Sie, welchen Statuscode Sie erhalten. Prüfen Sie insbesondere, ob eine Seite mit Statuscode 200 antwortet und trotzdem keine Termine enthält.
  5. Rufen Sie einen Eurostat-Datensatz ab und suchen Sie in der Antwort das Feld mit dem Aktualisierungszeitpunkt.
  6. Laden Sie eine Bundesbank-Datei als CSV und lesen Sie im Kopf den Eintrag «Stand vom», samt Uhrzeit.
  7. Wiederholen Sie beides in einer Woche und vergleichen Sie. Nach wenigen Wiederholungen haben Sie einen gemessenen Kalender, den Sie selbst belegen können.

Wohin es von hier weitergeht

Für diese Seite geöffnete Quellen

Alle Seiten und Datensätze wurden am 13. August 2026 aufgerufen. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.

Änderungsverzeichnis

Häufige Fragen

Welche Termine stehen wirklich fest?

Die Sitzungstermine der Notenbanken, weil sie im Voraus veröffentlicht werden. Der Kalender des Board of Governors nennt für 2026 acht Sitzungen des Offenmarktausschusses: 27. und 28. Januar, 17. und 18. März, 28. und 29. April, 16. und 17. Juni, 28. und 29. Juli, 15. und 16. September, 27. und 28. Oktober sowie 8. und 9. Dezember. Für 2027 sind ebenfalls acht Termine eingetragen, beginnend am 26. und 27. Januar.

Was bedeutet der Stern neben manchen Terminen?

Die Fußnote unter der Tabelle sagt es wörtlich: «Meeting associated with a Summary of Economic Projections.» Vier der acht Sitzungen jedes Jahres tragen diesen Stern — 2026 sind es März, Juni, September und Dezember. Nur zu diesen Sitzungen erscheinen die zusammengefassten wirtschaftlichen Projektionen des Ausschusses. Wer auf neue Zahlen wartet, wartet auf einen Stern.

Wann erscheint das Protokoll einer Sitzung?

Etwa drei Wochen später, und der Kalender weist die Daten aus. Zur Sitzung vom 27. und 28. Januar 2026 steht als Veröffentlichungsdatum der 18. Februar 2026, zur Sitzung vom 28. und 29. April der 20. Mai, zur Sitzung vom 16. und 17. Juni der 8. Juli. Die Entscheidung selbst wird am zweiten Sitzungstag mitgeteilt: Zwischen dem Beschluss und seiner ausführlichen Begründung liegen also rund drei Wochen.

Und die Termine der Europäischen Zentralbank?

Die Übersichtsseite zur Geldpolitik nennt als jüngste geldpolitische Pressekonferenz den 23. Juli 2026. Die eigene Kalenderseite für die Sitzungen des Rates im Jahr 2026 antwortete am 13. August 2026 mit dem Fehlercode 404. Diese Seite gibt daher keine europäische Terminliste wieder. Was sich stattdessen aus amtlichen Daten belegen lässt, ist die tatsächliche Beschlusshäufigkeit: Die Tagesreihe des Hauptrefinanzierungssatzes enthält seit 1999 genau 60 Änderungen, mit einem Median von 63 Tagen zwischen zwei aufeinanderfolgenden.

Welche Terminquellen waren nicht erreichbar?

Drei, und alle drei werden hier genannt statt umgangen. Der Veröffentlichungskalender des Bureau of Labor Statistics für 2026 antwortete mit dem Fehlercode 403. Die Terminübersicht des Statistischen Bundesamts antwortete mit dem Fehlercode 404. Die Kalenderseite der Europäischen Zentralbank für die Sitzungen 2026 ebenfalls mit 404. Diese Seite nennt daher keine Termine dieser drei Stellen und greift auf keinen Zwischenhändler zurück.

Wie baut man sich ohne diese Kalender einen eigenen?

Über die Datensätze selbst. Jede Antwort der Eurostat-Schnittstelle enthält ein Feld mit dem Aktualisierungszeitpunkt, und die Dateien der Bundesbank tragen im Kopf den Eintrag «Stand vom». Wer eine Reihe regelmäßig abruft und diesen Zeitpunkt mitschreibt, erhält nach wenigen Monaten den tatsächlichen Rhythmus — gemessen statt angekündigt. Am 13. August 2026 lauteten drei solche Angaben: 12. August 2026 für die deutschen Quartalsdaten, 30. Juli 2026 für das Wirtschaftsklima und 6. Februar 2026 für die harmonisierte Teuerungsrate.

Was nützt ein Termin, wenn die Zahl alt ist?

Das ist die Frage, die ein Kalender nicht stellt. Ein Veröffentlichungstermin sagt, wann eine Zahl erscheint, nicht welchen Zeitraum sie beschreibt. Am 13. August 2026 bezog sich der jüngste Wert des Bruttoinlandsprodukts auf ein Quartal, dessen Beginn 134 Tage zurücklag; der jüngste Wert der harmonisierten Teuerungsrate für Deutschland auf einen Monat, dessen Beginn 255 Tage zurücklag. Ein Kalendereintrag für morgen kann eine Zahl über vorgestern ankündigen.

Enthält diese Seite Prognosen zu kommenden Veröffentlichungen?

Nein. Keine erwarteten Werte, keine Einschätzung, wie Märkte auf eine Zahl reagieren werden, und keine Anlageempfehlung. Sie gibt wieder, welche Termine in amtlichen Kalendern stehen, welche Kalender nicht erreichbar waren und wie man den Rhythmus einer Reihe selbst misst.

Vextor Capital ist kein Anlageberater und kein Datenanbieter, führt keinen kommerziellen Wirtschaftskalender und erhält kein Entgelt von Broker-Plattformen oder Nachrichtendiensten.

Verwandte Artikel