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Zinsen und Aktien: was sich rechnen lässt und was nicht gezeigt werden darf

Zwischen Zinsen und Aktienkursen besteht ein Zusammenhang, über den viel geschrieben und selten gerechnet wird. Diese Seite trennt beides sauber. Die Kursreihen, an denen man den Zusammenhang messen würde, sind lizenziert und dürfen hier nicht wiedergegeben werden — für den deutschen Leitindex ergaben zwei Abfragen in der Bundesbank-Datenbank am 13. August 2026 den Fehlercode 404. Was frei ist, ist die andere Hälfte: die Bundrendite mit 7.364 Tageswerten und der Rechenweg der Abzinsung. Beides steht hier, vollständig nachrechenbar.

Eine Zinsreihe, ein Rechenweg, keine Kursreihe

Was gerechnet wurde. Die zehnjährige Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere wurde auf Länge, Höchst-, Tiefst- und Medianwert, Jahresspannen und die Anzahl negativer Tage ausgewertet. Anschließend wurde der Barwert einer festen Zahlung von 1.000 Euro für fünf Laufzeiten bei zwei Abzinsungssätzen berechnet. Abgerufen am 13. August 2026.

Was nicht enthalten ist. Keine Aktienkurse, keine Indexstände, keine Renditen von Aktienmärkten und keine Messung des Zusammenhangs zwischen Zins und Kurs: Die dafür nötigen Reihen unterliegen ausdrücklichen Wiedergabeverboten oder waren nicht abrufbar. Keine Gewinnschätzungen, keine Risikoprämie, keine Bewertungskennzahlen.

Was diese Seite nicht ist. Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Zins- oder Kursprognose. Die Barwertrechnung unterstellt feste, bekannte Zahlungen — eine Annahme, die bei Aktien gerade nicht zutrifft, und die hier ausdrücklich als Annahme benannt wird.

Der Rechenweg, in einer Zeile

Wer heute 1.000 Euro in zehn Jahren erhält, besitzt heute nicht 1.000 Euro. Er besitzt den Betrag, den man heute anlegen müsste, um in zehn Jahren auf 1.000 Euro zu kommen. Das ist der Barwert, und die Rechnung dafür ist eine Division: 1.000 geteilt durch (1 plus Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre. Bei 3 Prozent und zehn Jahren sind das 1.000 geteilt durch 1,03 hoch 10, also 744,09 Euro.

Diese eine Zeile enthält bereits die ganze Beziehung zwischen Zinsen und Bewertung. Steigt der Zinssatz, wird der Nenner größer und der Barwert kleiner. Und weil der Zinssatz potenziert wird, wächst diese Wirkung mit der Laufzeit: Bei einem Jahr steht der Zins in der ersten Potenz, bei dreißig Jahren in der dreißigsten. Genau daraus folgt die Aussage, die man häufig hört und selten begründet sieht — dass Werte mit weit entfernten Zahlungen empfindlicher auf Zinsänderungen reagieren.

Dieselbe Zahlung, zwei Zinssätze, fünf Laufzeiten

Die folgende Tabelle rechnet den Barwert einer einzigen Zahlung von 1.000 Euro aus, einmal mit 3 Prozent und einmal mit 1 Prozent. Beide Sätze sind keine Erfindung: Die zehnjährige Bundrendite lag in der ausgewerteten Reihe an vielen Tagen in der Nähe des einen wie des anderen, und ihr Median über alle 7.364 Tage beträgt 2,80 Prozent.

Zahlung fällig inBarwert bei 3 %Barwert bei 1 %Unterschied
1 Jahr970,87 €990,10 €+2,0 %
5 Jahre862,61 €951,47 €+10,3 %
10 Jahre744,09 €905,29 €+21,7 %
20 Jahre553,68 €819,54 €+48,0 %
30 Jahre411,99 €741,92 €+80,1 %

Zwei Prozentpunkte Zinsunterschied verändern den Wert einer Zahlung in einem Jahr um 2,0 Prozent und den einer Zahlung in dreißig Jahren um 80,1 Prozent — bei völlig unveränderter Zahlung. Das ist die Größenordnung, um die es bei diesem Thema geht, und sie folgt allein aus der Rechenvorschrift, nicht aus einer Beobachtung an Märkten.

Wichtig ist die Grenze dieser Rechnung, und sie ist scharf. Sie gilt für eine bekannte Zahlung. Bei einer Anleihe stehen Höhe und Zeitpunkt im Vertrag, und die Rechnung beschreibt den Kurs recht genau. Bei einer Aktie ist beides unbekannt: Wer sie so bewertet, setzt geschätzte künftige Zahlungen ein, und diese Schätzungen ändern sich mit denselben wirtschaftlichen Umständen, die auch den Zins bewegen. Deshalb folgt aus dieser Tabelle keine Aussage über Aktienkurse, und diese Seite trifft auch keine.

Die Zinsreihe, aus der die Eingangsgröße stammt

KennzahlWertEinzelheit
Länge der Reihe7.364 Tageswerte7. August 1997 bis 12. August 2026
Höchstwert5,97 %25. August 1997
Tiefstwert−0,85 %9. März 2020
Median2,80 %über alle 7.364 Tage
Tage mit negativer Rendite80210,9 Prozent; vom 13. Juni 2016 bis zum 7. März 2022
Stand am 12. August 20263,21 %Datei mit Stand vom 12. August 2026

Die Zeile mit den 802 negativen Tagen verdient Aufmerksamkeit, weil sie eine Annahme der Barwertrechnung berührt: Bei einem negativen Abzinsungssatz ist der Barwert einer künftigen Zahlung größer als die Zahlung selbst. Das ist keine Kuriosität, sondern der tatsächliche Zustand an 10,9 Prozent aller Tage zwischen dem 13. Juni 2016 und dem 7. März 2022 gewesen.

JahrTiefster TageswertHöchster TageswertLetzter Wert des Jahres
20150,07 %1,08 %0,70 %
2019−0,75 %0,27 %−0,19 %
2021−0,61 %−0,09 %−0,24 %
2022−0,21 %2,53 %2,53 %
20231,96 %2,99 %2,06 %
2026 bis 12. August2,73 %3,26 %3,21 %

Die Zeile für 2022 ist die bemerkenswerteste: von −0,21 auf 2,53 Prozent innerhalb eines Kalenderjahres, also eine Bewegung von 2,74 Prozentpunkten. Das ist mehr als der Unterschied zwischen den beiden Spalten der Barwerttabelle. Wer die Rechnung mit diesen beiden tatsächlichen Werten wiederholt, erhält für eine Zahlung in zehn Jahren einen Rückgang des Barwerts von 1.021,24 auf 778,92 Euro, also um 23,7 Prozent — allein aus der Zinsänderung dieses einen Jahres.

Ein zweiter Bezugspunkt gehört daneben: Der Satz des Eurosystems für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte lag am 13. August 2026 bei 2,40 Prozent, die zehnjährige Bundrendite am Vortag bei 3,21 Prozent. Der Abstand von 0,81 Prozentpunkten erinnert daran, dass es nicht «den Zins» gibt, sondern für jede Laufzeit einen eigenen — und dass eine Barwertrechnung strenggenommen für jede Zahlung den Satz ihrer eigenen Laufzeit verwenden müsste.

Warum eine Zinsreihe frei ist und eine Kursreihe nicht

Der Unterschied, an dem diese Seite hängt, ist kein Zufall, und er lohnt eine kurze Erklärung. Eine Zinsstrukturkurve wird von einer Notenbank aus den Kursen staatlicher Schuldtitel geschätzt und als Teil ihres öffentlichen Auftrags veröffentlicht; es gibt keinen Rechteinhaber, der ihre Verbreitung einschränkte. Ein Aktienindex dagegen ist ein Produkt: Ein Unternehmen legt Auswahlregeln und Gewichte fest, berechnet daraus laufend eine Zahl und verkauft deren Nutzung — an Fondsanbieter, die ihn nachbilden, und an alle, die ihn anzeigen wollen.

Für den Leser hat das eine praktische Folge, die über diese Seite hinausgeht. Wer im Netz einen langen Kursverlauf eines Index kostenlos angezeigt bekommt, sieht entweder eine lizenzierte Darstellung oder eine, deren Rechtslage niemand geprüft hat. Wer dagegen eine amtliche Zinsreihe sieht, kann sie herunterladen, nachrechnen und weitergeben. Diese Asymmetrie erklärt, warum makroökonomische Behauptungen sich oft besser belegen lassen als Behauptungen über Kurse — und warum dieser ganze Bereich mit Zinsen, Preisen und Mengen arbeitet statt mit Indexständen.

Was diese Quellen nicht sagen

Wie Sie das selbst nachprüfen

  1. Laden Sie die Zinsstrukturkurve der Bundesbank für zehn Jahre Restlaufzeit als CSV-Datei. Lesen Sie im Kopf der Datei den Eintrag «Stand vom» und den Hinweis zur Methodik.
  2. Zählen Sie die Zeilen mit einem Wert: Es müssen 7.364 sein, beginnend am 7. August 1997.
  3. Suchen Sie Höchst- und Tiefstwert: 5,97 Prozent am 25. August 1997 und −0,85 Prozent am 9. März 2020. Zählen Sie die Tage mit negativem Wert; es müssen 802 sein.
  4. Rechnen Sie 1.000 geteilt durch 1,03 hoch 10. Es muss 744,09 herauskommen. Dann 1.000 geteilt durch 1,01 hoch 10: 905,29.
  5. Teilen Sie 905,29 durch 744,09. Es muss 1,2167 herauskommen, also ein Unterschied von 21,7 Prozent.
  6. Wiederholen Sie beides für dreißig Jahre: 411,99 und 741,92, Verhältnis 1,801.
  7. Nehmen Sie die tatsächlichen Werte von 2022 — −0,21 und 2,53 Prozent — und rechnen Sie den Barwert einer Zahlung in zehn Jahren mit beiden. Der Barwert muss von 1.021,24 auf 778,92 Euro fallen, also um 23,7 Prozent.

Wohin es von hier weitergeht

Für diese Seite geöffnete Quellen

Alle Reihen wurden am 13. August 2026 abgerufen und an diesem Tag nachgerechnet. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.

Änderungsverzeichnis

Häufige Fragen

Warum stehen auf dieser Seite keine Aktienkurse?

Weil die Kursindizes, an denen man den Zusammenhang üblicherweise misst, lizenzierte Produkte privater Anbieter sind. Die Seite der bekanntesten amerikanischen Indexreihe bei der Federal Reserve Bank of St. Louis trägt wörtlich den Vermerk «Reproduction of S&P 500 in any form is prohibited except with the prior written permission of S&P Dow Jones Indices LLC» und weist zusätzlich darauf hin, dass die Vereinbarung zehn Jahre Tagesgeschichte umfasst. Für den deutschen Leitindex ergab die Abfrage in der Zeitreihen-Datenbank der Deutschen Bundesbank am 13. August 2026 bei zwei Versuchen den Fehlercode 404.

Was lässt sich dann überhaupt zeigen?

Der Rechenweg und seine Eingangsgröße. Der Wert eines Vermögensgegenstands, der künftige Zahlungen verspricht, ist der abgezinste Wert dieser Zahlungen; der Zinssatz, mit dem abgezinst wird, ist eine öffentliche und lückenlose Reihe. Diese Seite zeigt daher, wie stark ein Barwert sich verändert, wenn der Abzinsungssatz um genau die Beträge steigt oder fällt, die die Bundrendite in bestimmten Zeiträumen tatsächlich zurückgelegt hat.

Wie stark hat sich die Bundrendite bewegt?

Die Zinsstrukturkurve der Deutschen Bundesbank weist für börsennotierte Bundeswertpapiere mit zehn Jahren Restlaufzeit 7.364 Tageswerte vom 7. August 1997 bis zum 12. August 2026 aus. Der Höchstwert beträgt 5,97 Prozent am 25. August 1997, der Tiefstwert −0,85 Prozent am 9. März 2020, der Median 2,80 Prozent. Am 12. August 2026 lag die Rendite bei 3,21 Prozent. An 802 Tagen — 10,9 Prozent aller erfassten Tage — war sie negativ.

Wie stark verändert eine Zinsänderung einen Barwert?

Das hängt vollständig davon ab, wie weit die Zahlungen in der Zukunft liegen. Eine Zahlung in einem Jahr, abgezinst mit 1 statt 3 Prozent, ist 2,0 Prozent mehr wert. Dieselbe Zahlung in zwanzig Jahren ist 48,0 Prozent mehr wert. Der Rechenweg ist eine Division durch (1 plus Zinssatz) hoch Jahre, und die Wirkung wächst mit der Laufzeit — deshalb reagieren Werte mit weit entfernten Zahlungen stärker auf Zinsänderungen als solche mit nahen.

Gilt das für Aktien genauso?

Der Rechenweg ist derselbe, die Eingangsgrößen sind es nicht. Bei einer Anleihe stehen Höhe und Zeitpunkt der Zahlungen im Vertrag; bei einer Aktie sind sie unbekannt und werden geschätzt. Zudem ändert sich mit dem Zins häufig auch die Erwartung an die Zahlungen selbst. Diese Seite rechnet deshalb ausschließlich mit vorgegebenen Zahlungen und behauptet nicht, dass ein Aktienkurs dieser Rechnung folgt.

Was war 2022 die größte Bewegung?

Innerhalb eines Kalenderjahres ging die zehnjährige Bundrendite von −0,21 Prozent auf 2,53 Prozent, also um 2,74 Prozentpunkte. Zum Vergleich die Vorjahre: 2019 lag sie zwischen −0,75 und +0,27 Prozent, 2021 zwischen −0,61 und −0,09. Erst 2022 verließ sie den negativen Bereich dauerhaft; der letzte Tag mit negativer Rendite in der ganzen Reihe ist der 7. März 2022.

Bedeutet ein höherer Zins fallende Kurse?

Diese Seite behauptet das nicht, und sie kann es mit den geöffneten Quellen auch nicht prüfen — die dafür nötigen Kursreihen dürfen nicht wiedergegeben werden. Was sie zeigt, ist eine rechnerische Beziehung zwischen Abzinsungssatz und Barwert bei unveränderten Zahlungen. In der Wirklichkeit ändern sich die Zahlungen mit, und der Kurs enthält zusätzlich eine Risikoprämie, deren Höhe in keiner der hier geöffneten Reihen steht.

Enthält diese Seite eine Anlageempfehlung?

Nein. Keine Empfehlung, keine Zinsprognose, keine Kursprognose und keine Aussage darüber, welche Anlageform bei welchem Zinsniveau vorzuziehen wäre. Sie zeigt eine Rechnung mit offengelegten Annahmen und eine öffentliche Zinsreihe, an der jeder die Eingangsgrößen selbst prüfen kann.

Vextor Capital ist kein Wertpapierdienstleistungsunternehmen und kein Anlageberater, hält keine Aktien- oder Anleihepositionen und erhält kein Entgelt von Banken, Emittenten oder Indexanbietern.

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