Wirtschaftsbereiche im Zyklus: gemessen, wo es gemessen werden darf
Über Sektorrotation wird fast immer mit Aktiensektoren geschrieben — und deren Kursreihen darf man nicht wiedergeben. Also misst diese Seite dieselbe Frage dort, wo die Daten frei sind: an der Bruttowertschöpfung elf deutscher Wirtschaftsbereiche über 140 Quartale. Das Ergebnis ist deutlich genug, um die Ausgangsfrage zu beantworten: Im ersten Quartal 2009 fiel die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe um 16,6 Prozent, während sie bei den öffentlichen Dienstleistern um 0,4 Prozent stieg — im selben Land, im selben Quartal.
Elf Branchen, 140 Quartale, keine Kursreihe
Was gerechnet wurde. Für elf Wirtschaftsbereiche und für alle Bereiche zusammen wurden je 140 Quartalsveränderungen der preisbereinigten Bruttowertschöpfung ausgezählt: Anzahl der negativen Quartale, Anteil an allen Quartalen und tiefster Wert mit Quartalsangabe. Zusätzlich wurden vier einzelne Quartale nebeneinandergelegt. Abgerufen am 13. August 2026.
Was nicht enthalten ist. Keine Aktiensektoren und keine Kursreihen: Die üblichen Sektorindizes sind proprietär, und die frei zugänglichen Dateien tragen ausdrückliche Wiedergabeverbote. Keine Gewinne, keine Bewertungen, keine Beschäftigtenzahlen je Branche und keine Aussage darüber, wie sich Unternehmen einer Branche an der Börse entwickelt haben.
Was diese Seite nicht ist. Keine Anlageberatung, keine Umschichtungsempfehlung und keine Prognose, welche Branche als Nächstes schwächer oder stärker wird.
Warum hier die Wertschöpfung steht und nicht der Kurs
Die verbreitete Fassung dieses Themas arbeitet mit Aktiensektoren nach einer der gängigen Branchensystematiken. Diese Systematiken und die zugehörigen Indizes gehören privaten Anbietern, und ihre Kursreihen unterliegen Nutzungsbeschränkungen. Das lässt sich unmittelbar nachlesen: Die Seite zur bekanntesten amerikanischen Indexreihe bei der Federal Reserve Bank of St. Louis trägt den Vermerk, dass die Wiedergabe in jeder Form ohne vorherige schriftliche Erlaubnis untersagt ist, und weist darauf hin, dass die Vereinbarung mit dem Anbieter zehn Jahre Tagesgeschichte umfasst.
Die Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen ist die freie Alternative — und sie ist für die Ausgangsfrage sogar die passendere Größe. Ein Kursindex misst, was der Markt erwartet; die Wertschöpfung misst, was tatsächlich produziert wurde. Wer wissen will, ob Branchen unterschiedlich konjunkturempfindlich sind, fragt nach der Produktion. Wer wissen will, ob sich daraus Geld verdienen ließ, fragt nach Kursen — und diese Frage beantwortet diese Seite ausdrücklich nicht.
Elf Branchen, nach Häufigkeit negativer Quartale
Alle Zeilen beruhen auf denselben 140 Quartalen vom zweiten Quartal 1991 bis zum ersten Quartal 2026. Zum Vergleich: Über alle Wirtschaftsbereiche zusammen waren 42 dieser Quartale negativ, also 30,0 Prozent.
| Wirtschaftsbereich | Negative Quartale | Anteil | Tiefster Wert |
|---|---|---|---|
| Baugewerbe | 84 | 60,0 % | −9,8 % (2021-Q1) |
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | 68 | 48,6 % | −9,6 % (2011-Q4) |
| Sonstige Dienstleister | 63 | 45,0 % | −16,5 % (2020-Q2) |
| Verarbeitendes Gewerbe | 59 | 42,1 % | −17,1 % (2020-Q2) |
| Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 58 | 41,4 % | −24,3 % (2005-Q1) |
| Produzierendes Gewerbe ohne Bau | 58 | 41,4 % | −16,0 % (2020-Q2) |
| Handel, Verkehr, Gastgewerbe | 45 | 32,1 % | −11,9 % (2020-Q2) |
| Grundstücks- und Wohnungswesen | 39 | 27,9 % | −5,4 % (1991-Q2) |
| Unternehmensdienstleister | 36 | 25,7 % | −9,0 % (2009-Q1) |
| Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit | 30 | 21,4 % | −8,3 % (2020-Q2) |
| Information und Kommunikation | 28 | 20,0 % | −10,5 % (2003-Q1) |
Der Abstand zwischen der obersten und der untersten Zeile beträgt 40 Prozentpunkte: Das Baugewerbe schrumpft in 60,0 Prozent aller Quartale, Information und Kommunikation in 20,0 Prozent. Damit ist die Ausgangsfrage beantwortet — Branchen sind tatsächlich sehr unterschiedlich konjunkturempfindlich, und der Unterschied ist groß genug, um ihn nicht als Rauschen abzutun.
Zwei Zeilen verdienen einen zweiten Blick, weil sie der üblichen Erzählung widersprechen. Erstens steht das Baugewerbe an der Spitze der Häufigkeit, obwohl sein tiefster Einbruch mit −9,8 Prozent nur gut halb so groß ist wie der des verarbeitenden Gewerbes: Häufigkeit und Tiefe sind zwei verschiedene Eigenschaften, und eine Rangordnung nach der einen ist keine nach der anderen. Zweitens steht die Land- und Forstwirtschaft mit dem tiefsten Einzelwert der ganzen Tabelle — −24,3 Prozent im ersten Quartal 2005 — in der Mitte der Häufigkeit; ihre Schwankungen hängen erkennbar an anderen Dingen als am Konjunkturzyklus.
Vier Quartale nebeneinander
Eine Häufigkeitstabelle sagt nichts darüber, ob Branchen in derselben Krise gleich betroffen sind. Deshalb hier vier einzelne Quartale, jeweils die Veränderung gegenüber dem Vorquartal.
| Wirtschaftsbereich | 2008-Q4 | 2009-Q1 | 2020-Q2 | 2023-Q1 |
|---|---|---|---|---|
| Verarbeitendes Gewerbe | −6,5 % | −16,6 % | −17,1 % | −0,7 % |
| Baugewerbe | 0,0 % | +0,5 % | −3,9 % | +1,1 % |
| Handel, Verkehr, Gastgewerbe | −1,4 % | −4,0 % | −11,9 % | −2,0 % |
| Information und Kommunikation | +0,8 % | −4,8 % | −4,2 % | +5,2 % |
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | −0,4 % | −3,1 % | −0,3 % | −0,5 % |
| Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit | +0,1 % | +0,4 % | −8,3 % | −0,1 % |
| Alle Wirtschaftsbereiche | −1,8 % | −5,1 % | −9,6 % | −0,4 % |
Die Spalte für das erste Quartal 2009 zeigt das reinste Bild einer ungleich verteilten Krise: Das verarbeitende Gewerbe verlor 16,6 Prozent, das Baugewerbe legte um 0,5 Prozent zu, und die öffentlichen Dienstleister um 0,4 Prozent. Die Gesamtwirtschaft verlor 5,1 Prozent — ein Wert, der keinen der drei Fälle beschreibt.
Die Spalte für das zweite Quartal 2020 zeigt dagegen eine Krise mit anderer Verteilung. Handel, Verkehr und Gastgewerbe verloren 11,9 Prozent statt 4,0 Prozent wie 2009; die öffentlichen Dienstleister verloren 8,3 Prozent statt zuzulegen; und die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen kamen mit −0,3 Prozent fast unberührt davon, während sie 2009 3,1 Prozent verloren hatten. Die Rangfolge der Betroffenheit ist in den beiden Krisen eine andere. Wer aus einer Krise eine Reihenfolge ableitet und sie auf die nächste anwendet, hat in mindestens einem dieser beiden Fälle danebengelegen.
Die letzte Spalte ist der ruhige Gegenfall. Im ersten Quartal 2023 verlor die Gesamtwirtschaft 0,4 Prozent, und die Streuung zwischen den Branchen reicht von +5,2 Prozent bei Information und Kommunikation bis −2,0 Prozent bei Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Auch in einem fast unauffälligen Quartal liegen also mehr als sieben Prozentpunkte zwischen den Branchen.
Der Rückprall war so ungleich wie der Einbruch
Das zweite und das dritte Quartal 2020 liegen unmittelbar nebeneinander und ergeben deshalb den saubersten verfügbaren Vergleich zwischen Einbruch und Erholung. Beide Spalten geben die Veränderung gegenüber dem jeweiligen Vorquartal an.
| Wirtschaftsbereich | 2020-Q2 | 2020-Q3 |
|---|---|---|
| Verarbeitendes Gewerbe | −17,1 % | +15,6 % |
| Handel, Verkehr, Gastgewerbe | −11,9 % | +12,5 % |
| Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit | −8,3 % | +9,3 % |
| Information und Kommunikation | −4,2 % | +3,9 % |
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | −0,3 % | +3,9 % |
| Baugewerbe | −3,9 % | −1,4 % |
| Alle Wirtschaftsbereiche | −9,6 % | +8,7 % |
Drei Beobachtungen ergeben sich unmittelbar. Erstens holt kein einziger Bereich seinen Einbruch im Folgequartal vollständig auf: Ein Rückgang um 17,1 Prozent und ein anschließender Anstieg um 15,6 Prozent ergeben zusammen 0,829 mal 1,156 gleich 0,9583 — also immer noch 4,2 Prozent unter dem Ausgangsstand. Prozentzahlen in entgegengesetzte Richtungen heben sich nicht auf. Zweitens fällt das Baugewerbe aus dem Muster: Es verlor im zweiten Quartal weniger als die meisten und verlor im dritten Quartal noch einmal 1,4 Prozent, während alle anderen zulegten. Drittens stimmt die Reihenfolge der Erholung ziemlich genau mit der des Einbruchs überein — wer tief gefallen war, stieg stark —, was bei einem Einbruch dieser Art zu erwarten war, bei der Krise von 2008 und 2009 aber gerade nicht der Fall war.
Auch ein unauffälliges Quartal ist nicht einheitlich
Das jüngste verfügbare Quartal, das erste 2026, ist der Gegenfall zu den Krisenquartalen: Die gesamte Bruttowertschöpfung veränderte sich um +0,1 Prozent, also praktisch gar nicht. Die einzelnen Branchen taten es trotzdem. Das verarbeitende Gewerbe legte um 0,7 Prozent zu, die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen um 1,2 Prozent; Handel, Verkehr und Gastgewerbe sowie Information und Kommunikation jeweils um 0,1 Prozent; die öffentlichen Dienstleister blieben bei 0,0 Prozent, und das Baugewerbe verlor 0,6 Prozent.
Zwischen der stärksten und der schwächsten dieser sechs Branchen liegen 1,8 Prozentpunkte in einem Quartal, in dem die Gesamtzahl still stand. Eine Aggregatzahl nahe null bedeutet also nicht, dass nichts geschieht — sie bedeutet, dass sich Bewegungen gegenseitig aufheben. Wer aus «die Wirtschaft stagniert» folgert, dass alle Branchen stagnieren, zieht aus einem Durchschnitt einen Schluss, den er nicht enthält.
Was diese Quellen nicht sagen
- Keine Kurse, keine Renditen. Diese Seite misst Produktion, nicht Marktwert. Wie sich Unternehmen der genannten Branchen an der Börse entwickelt haben, steht hier nicht — die dafür nötigen Indexreihen dürfen nicht wiedergegeben werden.
- Keine Reihenfolge, die man fortschreiben könnte. Der Vergleich der beiden Krisenquartale zeigt ausdrücklich, dass sich die Rangfolge der Betroffenheit ändert.
- Diese Reihen werden revidiert. Branchenweise Wertschöpfung wird bei den turnusmäßigen Überarbeitungen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nachträglich geändert, teilweise über viele Jahre zurück. Der Datenstand ist der 13. August 2026.
- Die Branchenreihen enden ein Quartal früher. Sie reichen bis zum ersten Quartal 2026, während das Bruttoinlandsprodukt insgesamt bis zum zweiten vorliegt. Der Vergleich mit der Gesamtwirtschaft in dieser Tabelle endet deshalb im ersten Quartal 2026.
- Kein Beschäftigungs- und kein Gewinnanteil. Wie viele Menschen in einer Branche arbeiten und wie viel Gewinn dort entsteht, geht aus der Wertschöpfung nicht hervor.
- Keine Prognose und keine Empfehlung. Weder zu einer Branche noch zu einem Zeitpunkt für eine Umschichtung.
Wie Sie das selbst nachprüfen
- Rufen Sie bei Eurostat den Datensatz zur Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen für Deutschland ab, preisbereinigt, saison- und kalenderbereinigt, Veränderung gegenüber dem Vorquartal.
- Wählen Sie nacheinander die elf Branchenkennungen. Jede Reihe muss 140 Werte haben, beginnend im zweiten Quartal 1991.
- Zählen Sie je Branche die negativen Quartale. Für das Baugewerbe müssen 84 herauskommen, für Information und Kommunikation 28.
- Suchen Sie je Branche den tiefsten Wert. Für das verarbeitende Gewerbe muss −17,1 Prozent im zweiten Quartal 2020 stehen, für die Land- und Forstwirtschaft −24,3 Prozent im ersten Quartal 2005.
- Lesen Sie für das erste Quartal 2009 die Werte aller elf Branchen ab und ordnen Sie sie. Tun Sie dasselbe für das zweite Quartal 2020 und vergleichen Sie die beiden Reihenfolgen.
- Öffnen Sie die Seite der amerikanischen Indexreihe bei der Federal Reserve Bank of St. Louis und lesen Sie den Urheberrechtsvermerk. Er steht dort im Klartext.
Wohin es von hier weitergeht
- Wirtschaftszyklen — die Phasen, auf die sich die Rotationsvorstellung beruft, nach Dauer ausgezählt.
- Bruttoinlandsprodukt — die Summe, aus der diese Branchen ihre Anteile beziehen.
- Umfrageindikatoren — dieselbe Frage, mit befragten statt gemessenen Daten.
- Alle Leitfäden zur Makroökonomie — der Bereichsindex, einen Klick von hier.
Für diese Seite geöffnete Quellen
Alle Reihen wurden am 13. August 2026 abgerufen und an diesem Tag ausgezählt. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.
- Eurostat — namq_10_a10, Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen, DeutschlandBenutzt für: je 140 Quartalsveränderungen der preisbereinigten, saison- und kalenderbereinigten Bruttowertschöpfung für elf Wirtschaftsbereiche und für alle Bereiche zusammen, vom zweiten Quartal 1991 bis zum ersten Quartal 2026. Abgerufen am 13. August 2026; der Datensatz trug den Aktualisierungszeitpunkt 12. August 2026.
- Eurostat — namq_10_gdp, DeutschlandBenutzt für: die Quartalsveränderung des Bruttoinlandsprodukts insgesamt, zur Einordnung der Branchenwerte; 141 Werte bis zum zweiten Quartal 2026.
- Federal Reserve Bank of St. Louis — Reihe SP500Benutzt für: der Nachweis der Nutzungsbeschränkung, aus der folgt, dass diese Seite keine Aktiensektorreihen wiedergibt. Die Seite trägt den Vermerk «Copyright © 2016, S&P Dow Jones Indices LLC. All rights reserved. Reproduction of S&P 500 in any form is prohibited except with the prior written permission of S&P Dow Jones Indices LLC» sowie den Hinweis, dass die Vereinbarung mit dem Indexanbieter zehn Jahre Tagesgeschichte umfasst. Gelesen am 13. August 2026.
Änderungsverzeichnis
- 13. August 2026 — Seite vollständig neu geschrieben. Entfernt und nicht ersetzt: eine Zuordnung von Aktiensektoren zu Konjunkturphasen ohne Datengrundlage; Renditeangaben zu Sektorindizes, deren Wiedergabe der Anbieter untersagt; die Behauptung einer festen Reihenfolge der Konjunkturempfindlichkeit; und die Nennung einer Organisation als Autor. An ihre Stelle traten die Auszählung von elf deutschen Wirtschaftsbereichen über 140 Quartale, der Vergleich von vier einzelnen Quartalen samt dem Nachweis, dass sich die Rangfolge zwischen zwei Krisen ändert, und die ausdrückliche Angabe, warum hier keine Kursreihe steht.
Häufige Fragen
Was ist mit Sektorrotation gemeint?▼
Die Vorstellung, dass verschiedene Wirtschaftsbereiche in verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus unterschiedlich abschneiden, und die daraus abgeleitete Praxis, Anlagen zwischen ihnen umzuschichten. Diese Seite prüft nur den ersten Teil der Aussage und nur in der realen Wirtschaft: Sie misst, wie unterschiedlich die Bruttowertschöpfung deutscher Branchen tatsächlich schwankt. Über Anlageergebnisse trifft sie keine Aussage.
Warum stehen hier keine Aktiensektoren?▼
Weil die Sektorindizes, an denen üblicherweise gemessen wird, proprietäre Produkte von Indexanbietern sind und ihre Kursreihen nicht frei wiedergegeben werden dürfen. Das ist keine Vermutung: Die entsprechenden Dateien bei der Federal Reserve Bank of St. Louis tragen ausdrückliche Urheberrechtsvermerke, die die Wiedergabe ohne vorherige schriftliche Erlaubnis untersagen. Die Wertschöpfungsdaten von Eurostat dagegen sind frei zugänglich — und sie messen dieselbe Wirtschaft, nur an ihrer Produktion statt an ihren Kursen.
Welche Branche schwankt am stärksten?▼
Nach der Häufigkeit negativer Quartale das Baugewerbe: In 84 von 140 Quartalen zwischen dem zweiten Quartal 1991 und dem ersten Quartal 2026 ging seine Bruttowertschöpfung gegenüber dem Vorquartal zurück, also in 60,0 Prozent der Fälle. Nach der Tiefe der Einbrüche das verarbeitende Gewerbe: Sein tiefster Wert liegt bei −17,1 Prozent im zweiten Quartal 2020, gefolgt von −16,6 Prozent im ersten Quartal 2009.
Welche Branche schwankt am wenigsten?▼
Information und Kommunikation, mit 28 negativen Quartalen von 140, also 20,0 Prozent. Unmittelbar darauf folgen die öffentlichen Dienstleister einschließlich Erziehung und Gesundheit mit 30 negativen Quartalen, also 21,4 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche war in 42 von 140 Quartalen negativ, also in 30,0 Prozent.
Wie groß ist der Unterschied in einem Krisenquartal?▼
Sehr groß, und das ist der eigentliche Befund. Im ersten Quartal 2009 fiel die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe um 16,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während sie bei den öffentlichen Dienstleistern um 0,4 Prozent stieg. Die Gesamtwirtschaft verlor 5,1 Prozent. Im zweiten Quartal 2020 lauten dieselben drei Zahlen −17,1, −8,3 und −9,6 Prozent — hier traf es also auch die öffentlichen Dienstleister erheblich, anders als 2009.
Sind die Krisen einander ähnlich?▼
Nein, und der Vergleich der beiden genannten Quartale zeigt es. Im ersten Quartal 2009 blieb das Baugewerbe mit +0,5 Prozent unberührt, während das verarbeitende Gewerbe um 16,6 Prozent einbrach. Im zweiten Quartal 2020 verlor das Baugewerbe 3,9 Prozent und Handel, Verkehr und Gastgewerbe 11,9 Prozent, während sie 2009 nur 4,0 Prozent verloren hatten. Eine Reihenfolge der Empfindlichkeit, die aus einer Krise abgeleitet wird, gilt in der nächsten nicht unbedingt.
Lässt sich daraus eine Anlagestrategie ableiten?▼
Diese Seite leitet keine ab. Zwischen der Wertschöpfung einer Branche und dem Kurs eines Unternehmens dieser Branche liegen Gewinnmargen, Verschuldung, Auslandsanteil, Erwartungen und Bewertung — Größen, die in den geöffneten Daten nicht vorkommen. Hinzu kommt, dass die hier gemessenen Zahlen erst Monate nach dem Quartal vorliegen: Der jüngste verfügbare Wert am 13. August 2026 betraf das erste Quartal 2026.
Wie aktuell sind diese Daten?▼
Die Branchenreihen reichen bis zum ersten Quartal 2026, die Gesamtreihe des Bruttoinlandsprodukts bis zum zweiten. Der Eurostat-Datensatz trug beim Abruf am 13. August 2026 den Aktualisierungszeitpunkt 12. August 2026. Alle Werte sind preisbereinigt sowie saison- und kalenderbereinigt und werden mit den turnusmäßigen Überarbeitungen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nachträglich geändert.
Vextor Capital ist kein Anlageberater und kein Vermögensverwalter, hält keine Aktienpositionen in den genannten Branchen und erhält kein Entgelt von Unternehmen, Verbänden oder Indexanbietern.