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Quantitative Lockerung: was der Wochenausweis wirklich zeigt

Über Wertpapierkäufe von Notenbanken wird meist in Absichten und Wirkungen geschrieben. Beides steht in keinem Dokument, das man nachrechnen könnte. Was nachrechenbar ist, ist die Bilanzsumme — sie wird von der Federal Reserve und vom Eurosystem wöchentlich veröffentlicht, und beide Reihen zusammen ergeben 2.675 Beobachtungen. Diese Seite zählt sie aus. Beide Bilanzen wuchsen auf rund das Zwölffache ihres Ausgangswerts, und beide schrumpfen seit 2022: um 24,7 beziehungsweise 33,0 Prozent.

Zwei Bilanzen, zwei Geldmengen, keine Wirkungsbehauptung

Was gerechnet wurde. Die Wochenreihen der beiden Bilanzsummen wurden auf ersten Wert, Höchststand mit Datum, letzten Wert, Wachstumsfaktor und Rückgang vom Höchststand ausgewertet. Dazu kommen die Jahreswachstumsraten der weit gefassten Geldmengen beider Währungsräume mit ihren Extremwerten. Alles am 13. August 2026 abgerufen.

Was nicht enthalten ist. Keine Aufteilung der Bilanz nach Programmen, keine Angabe, welcher Teil auf Staatsanleihen und welcher auf andere Papiere entfällt, keine Aussage über die Wirkung auf Renditen, Kurse oder Preise, und keine Bewertung, ob solche Käufe angemessen waren. Die beiden Reihen lauten außerdem auf verschiedene Währungen und werden hier weder addiert noch umgerechnet.

Was diese Seite nicht ist. Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose. Vextor Capital hält keine Anleihepositionen, ist kein Kreditinstitut und erhält kein Entgelt von Datenanbietern.

Der Mechanismus, so weit er buchhalterisch feststeht

Eine Notenbank kauft ein Wertpapier und bezahlt es mit einer Gutschrift auf dem Konto, das die verkaufende Bank bei ihr unterhält. Auf der Aktivseite der Notenbankbilanz erscheint das Papier, auf der Passivseite die Gutschrift; die Bilanzsumme steigt um den Kaufbetrag. Das ist keine Theorie, sondern eine Buchung, und sie ist der Grund, weshalb die Bilanzsumme die einzige Größe ist, an der sich das Ausmaß solcher Käufe ohne Modellannahmen ablesen lässt.

Alles Weitere ist bereits Interpretation. Ob die Gutschrift bei der Bank liegen bleibt, ob sie zu Krediten führt, ob die Rendite der gekauften Papiere sinkt und ob das irgendetwas mit Preisen zu tun hat: Keine dieser Fragen beantwortet der Wochenausweis. Er sagt, wie viel gekauft wurde und wann. Diese Seite bleibt bei dieser Auskunft.

Die beiden Bilanzen nebeneinander

KennzahlFederal ReserveEurosystem
Erster Wert der Reihe18.12.2002: 719.542 Mio. USDKW 53/1998: 697.160 Mio. EUR
Höchststand13.04.2022: 8.965.487 Mio. USDKW 25/2022: 8.835.987 Mio. EUR
Faktor vom ersten Wert zum Höchststand12,4612,67
Letzter Wert beim Abruf05.08.2026: 6.748.567 Mio. USDKW 32/2026: 5.923.023 Mio. EUR
Rückgang vom Höchststand−24,7 %−33,0 %
Anzahl der Wochenwerte1.2341.441

Die Ähnlichkeit der beiden Wachstumsfaktoren — 12,46 gegen 12,67 — ist auffällig, aber sie darf nicht überdehnt werden: Die beiden Reihen beginnen zu verschiedenen Zeitpunkten, und der Faktor hängt unmittelbar vom Ausgangsdatum ab. Die europäische Reihe beginnt vier Jahre früher, in der letzten Woche vor der Einführung des Euro. Wer stattdessen beide ab 2003 rechnet, erhält andere Faktoren. Der Vergleich, der ohne diese Willkür auskommt, ist der Rückgang vom jeweiligen Höchststand — und dort liegen die beiden mit 24,7 und 33,0 Prozent deutlich auseinander.

Die beiden Höchststände liegen zeitlich sehr eng beieinander: Mitte April 2022 in den Vereinigten Staaten, Ende Juni 2022 im Euroraum. Die Reihen selbst enthalten keine Erklärung für diese Nähe, und diese Seite bietet keine an.

Wie schnell eine Bilanz wachsen kann

Das Frühjahr 2020 ist der Zeitraum, an dem sich die Geschwindigkeit am besten ablesen lässt, weil der Ausweis wöchentlich erscheint. Acht aufeinanderfolgende Wochen, in Millionen US-Dollar:

StichtagBilanzsumme
26. Februar 20204.158.637
4. März 20204.241.507
11. März 20204.311.911
18. März 20204.668.212
25. März 20205.254.278
1. April 20205.811.607
8. April 20206.083.141
15. April 20206.367.887

Vom 4. März bis zum 3. Juni 2020 stieg die Summe von 4.241.507 auf 7.165.217 Millionen — ein Zuwachs von 68,9 Prozent in dreizehn Wochen. Der Vergleich mit dem Herbst 2008 ist lehrreich, weil er in der Größenordnung ähnlich und im Niveau völlig anders ist: Zwischen dem 3. September und dem 8. Oktober 2008 stieg dieselbe Reihe von 905.253 auf 1.591.587 Millionen, also um 75,8 Prozent in fünf Wochen — aber von einem Ausgangswert, der weniger als ein Viertel des Niveaus von 2020 betrug. Prozentuale Angaben ohne Niveau führen bei dieser Reihe besonders leicht in die Irre.

Der Rückbau im Euroraum, Jahr für Jahr

Eine Prozentzahl über vier Jahre verdeckt, wie ungleichmäßig der Weg war. Die folgende Tabelle nimmt aus der europäischen Wochenreihe jeweils den letzten Wert des Jahres und daneben, wo er abweicht, den höchsten Wert desselben Jahres. Alle Angaben in Millionen Euro.

JahrLetzte Woche des JahresEinzelheit
20082.043.465letzte Woche des Jahres; Höchststand des Jahres 2.053.837 in Woche 50
20123.018.198Höchststand des Jahres 3.102.227 in Woche 26
20152.781.145niedriger als drei Jahre zuvor
20184.669.003Höchststand des Jahres 4.674.919 in Woche 51
20206.979.324Höchststand des Jahres 7.014.661 in Woche 52
20227.955.797Jahreshöchststand und Reihenhöchststand 8.835.987 in Woche 25
20236.935.489Rückgang um 1.020.308 innerhalb eines Jahres
20246.357.247Rückgang um 578.242 innerhalb eines Jahres
20256.163.751Rückgang um 193.496 innerhalb eines Jahres
20265.923.023Stand in Woche 32, dem letzten verfügbaren Wert

Drei Beobachtungen stehen unmittelbar in dieser Tabelle. Erstens war der Rückbau nicht gleichmäßig, sondern stark abnehmend: 1.020.308 Millionen im Jahr 2023, 578.242 im Jahr 2024 und 193.496 im Jahr 2025. Zweitens gab es bereits vor 2022 eine Phase des Schrumpfens: Ende 2015 lag die Bilanzsumme mit 2.781.145 Millionen unter dem Wert von Ende 2012 mit 3.018.198. Wer die Reihe als stetiges Wachstum bis 2022 beschreibt, übergeht diese Jahre. Drittens lag der Höchststand jedes Jahres ab 2023 jeweils in einer der ersten Wochen des Jahres — der Rückgang setzte sich also innerhalb jedes einzelnen Jahres fort.

Auf der Passivseite dieser Bilanz stehen zu einem erheblichen Teil Guthaben von Geschäftsbanken, die über die Mindestreserve hinausgehen — die sogenannte Überschussliquidität. Für diese Guthaben ist der Satz der Einlagefazilität maßgeblich, der am 13. August 2026 bei 2,25 Prozent lag. Der Wochenausweis in der hier verwendeten Fassung weist allerdings nur die Summe aus und schlüsselt die Passivseite nicht auf; wie viel davon Überschussliquidität ist, steht in dieser Reihe nicht und wird hier deshalb nicht beziffert.

Bilanzsumme ist nicht Geldmenge

Die häufigste Verwechslung bei diesem Thema ist die Gleichsetzung der Notenbankbilanz mit der Geldmenge. Die beiden Größen sind verwandt, aber sie messen verschiedene Dinge, und ihre Reihen bewegen sich sichtbar verschieden:

ReiheHöchste JahresrateTiefste JahresrateJuni 2026
M2, Vereinigte Staaten26,78 % im Februar 2021−4,64 % im April 20235,53 % im Juni 2026
M3, Euroraum12,56 % im November 2007−1,27 % im August 20233,29 % im Juni 2026

Die aufschlussreichste Zeile ist die zweite. Der Höchstwert der europäischen Geldmengenreihe liegt im November 2007 — also Jahre vor dem Beginn der großen Ankaufprogramme, in einer Zeit, in der die Bilanzsumme des Eurosystems bei einem Bruchteil ihres späteren Werts lag. Wenn die Geldmenge ihren Höchststand des Wachstums erreichen kann, ohne dass die Notenbankbilanz wächst, dann sind die beiden Größen offensichtlich nicht dasselbe. Die amerikanische Reihe zeigt den umgekehrten Fall: Ihr Höchstwert von 26,78 Prozent im Februar 2021 fällt in eine Phase starker Bilanzausweitung, und ihr Tiefstwert von −4,64 Prozent im April 2023 in eine Phase des Rückbaus.

Die Größenordnungen sind ebenfalls verschieden. Die amerikanische Geldmenge M2 stand im Juni 2026 bei 23.155,2 Milliarden US-Dollar, die Bilanzsumme der Notenbank Anfang August bei 6,75 Billionen. Die Geldmenge ist also mehr als dreimal so groß wie die Bilanz, aus der sie angeblich hervorgeht.

Was diese Quellen nicht sagen

Wie Sie das selbst nachprüfen

  1. Laden Sie WALCL bei der Federal Reserve Bank of St. Louis. Es müssen 1.234 Wochenwerte sein, beginnend am 18. Dezember 2002.
  2. Suchen Sie den größten Wert. Es muss 8.965.487 am 13. April 2022 sein. Teilen Sie den letzten Wert durch diesen: 6.748.567 geteilt durch 8.965.487 ergibt 0,753, also einen Rückgang von 24,7 Prozent.
  3. Rufen Sie im Datenportal der Europäischen Zentralbank die Wochenreihe der Bilanzsumme des Eurosystems ab. Es müssen 1.441 Werte sein, beginnend in der 53. Kalenderwoche 1998.
  4. Wiederholen Sie die Rechnung: 5.923.023 geteilt durch 8.835.987 ergibt 0,670, also einen Rückgang von 33,0 Prozent.
  5. Nehmen Sie aus der amerikanischen Reihe die Werte vom 4. März und vom 3. Juni 2020. Der Quotient 7.165.217 geteilt durch 4.241.507 ergibt 1,689.
  6. Laden Sie M2SL, bilden Sie die Jahresraten und suchen Sie Höchst- und Tiefstwert. Sie müssen auf Februar 2021 und April 2023 kommen.
  7. Rufen Sie die europäische Geldmengenreihe ab und prüfen Sie, in welchem Monat ihr Höchstwert liegt. Vergleichen Sie dieses Datum mit dem Beginn der Bilanzausweitung.

Wohin es von hier weitergeht

Für diese Seite geöffnete Quellen

Alle Reihen wurden am 13. August 2026 abgerufen und an diesem Tag nachgerechnet. Zuletzt überprüft am 13. August 2026.

Änderungsverzeichnis

Häufige Fragen

Was ist quantitative Lockerung?

Der Kauf von Wertpapieren durch eine Notenbank gegen selbst geschaffene Zentralbankguthaben. Die gekauften Papiere erscheinen auf der Aktivseite ihrer Bilanz, die geschaffenen Guthaben auf der Passivseite; die Bilanzsumme steigt um denselben Betrag. Genau deshalb ist die Bilanzsumme die einzige Größe, an der sich das Ausmaß solcher Käufe von außen und ohne Modellannahmen ablesen lässt — und sie wird von beiden hier betrachteten Notenbanken wöchentlich veröffentlicht.

Wie stark sind die beiden Bilanzen gewachsen?

Beide auf ungefähr das Zwölffache ihres jeweiligen Ausgangswerts. Die Bilanzsumme der Federal Reserve stieg von 719.542 Millionen US-Dollar am 18. Dezember 2002 auf einen Höchststand von 8.965.487 Millionen am 13. April 2022, also auf das 12,46-Fache. Die des Eurosystems stieg von 697.160 Millionen Euro in der 53. Kalenderwoche 1998 auf 8.835.987 Millionen in der 25. Kalenderwoche 2022, also auf das 12,67-Fache. Die beiden Reihen sind in verschiedenen Währungen geführt und werden hier nicht addiert.

Schrumpfen die Bilanzen wieder?

Ja, und zwar seit 2022 in beiden Währungsräumen. Am 5. August 2026 lag die Bilanzsumme der Federal Reserve bei 6.748.567 Millionen US-Dollar und damit 24,7 Prozent unter ihrem Höchststand. Die des Eurosystems lag in der 32. Kalenderwoche 2026 bei 5.923.023 Millionen Euro und damit 33,0 Prozent unter ihrem Höchststand. Beide Zahlen sind Rückgänge in Nennwerten, nicht kaufkraftbereinigt und nicht im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

Wie schnell ging es im Frühjahr 2020?

Sehr schnell, und der Wochenausweis zeigt es Woche für Woche. Am 4. März 2020 lag die Bilanzsumme der Federal Reserve bei 4.241.507 Millionen US-Dollar, am 3. Juni 2020 bei 7.165.217 Millionen. Das ist ein Anstieg um 68,9 Prozent in dreizehn Wochen. Zum Vergleich der Herbst 2008: vom 3. September 2008 mit 905.253 Millionen auf den 8. Oktober 2008 mit 1.591.587 Millionen, also eine Verdoppelung binnen fünf Wochen — von einem sehr viel niedrigeren Ausgangswert.

Ist die Notenbankbilanz dasselbe wie die Geldmenge?

Nein, und die Reihen zeigen das deutlich. Die weit gefasste amerikanische Geldmenge M2 stand im Juni 2026 bei 23.155,2 Milliarden US-Dollar, also mehr als dreimal so hoch wie die Bilanzsumme. Ihre Jahreswachstumsrate erreichte im Februar 2021 mit 26,78 Prozent den Höchstwert der Reihe seit 1960 und fiel im April 2023 auf −4,64 Prozent, den einzigen längeren negativen Abschnitt. Bilanzsumme und Geldmenge bewegen sich also weder gleich stark noch immer in dieselbe Richtung.

Und im Euroraum?

Dort liegt die Jahreswachstumsrate der weit gefassten Geldmenge M3 als eigene Reihe vor. Ihr Höchstwert beträgt 12,56 Prozent im November 2007 — also vor den großen Ankaufprogrammen —, ihr Tiefstwert −1,27 Prozent im August 2023. Im Juni 2026 lag sie bei 3,29 Prozent. Dass der Höchstwert der Geldmengenreihe zeitlich vor dem Beginn der großen Bilanzausweitung liegt, ist der einfachste verfügbare Beleg dafür, dass die beiden Größen nicht dasselbe messen.

Was sagt die Bilanzsumme über Inflation?

Aus den hier geöffneten Reihen folgt dazu nichts, und diese Seite behauptet nichts. Was sich sagen lässt, sind Daten: Die Bilanzsumme des Eurosystems stieg zwischen 2015 und 2018 stark, während die harmonisierte Jahresrate des Euroraums überwiegend unter zwei Prozent lag; sie sank zwischen 2022 und 2024, während dieselbe Rate zunächst deutlich über zwei Prozent lag. Ein Zusammenhang lässt sich aus zwei Reihen ohne Modell nicht ableiten, und ein Modell steht in keiner der geöffneten Dateien.

Enthält diese Seite eine Anlageaussage?

Nein. Keine Prognose zu Zinsen, Kursen, Geldmenge oder Preisen, keine Empfehlung und keine Einschätzung, ob Wertpapierkäufe einer Notenbank sinnvoll waren. Vextor Capital hält keine Anleihepositionen und erhält kein Entgelt von Banken oder Datenanbietern.

Vextor Capital ist kein Kreditinstitut, kein Wertpapierdienstleistungsunternehmen und kein Anlageberater, hält keine Anleihepositionen und erhält kein Entgelt von Banken oder Datenanbietern.

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